Die Oberflächenspannung von Handwaschproben als Parameter für eluierbare, oberflächenwirksame Stoffe im Hydrolipidfilm der Haut nach Anwendung antiseptischer Händedesinfektionsmittel [article]

Thomas Martin Kohler, Universität Ulm, Universität Ulm
2016
Der häufige, direkte Hautkontakt des medizinischen Personals mit dem Patienten erfordert einen gegenseitigen Infektionsschutz. Der hauptsächliche Hautkontakt erfolgt dabei über die unbedeckten Hände, die die medizinischen Dienstleistungen am Patienten ausführen. Als persönliche Schutzmittel können einerseits Handschuhe und andererseits Händedesinfektionsmittel Anwendung finden. Bei Reinigungsvorgängen verliert die Haut über die Tensidwirkung beim Waschen und Spülvorgänge unter laufendem Wasser
more » ... r laufendem Wasser zunehmende Anteile der natürlich vorhandenen Fette und Schutzsubstanzen. Weil viele Tätigkeiten in der Medizin mit Nässearbeit, Einschluss unter flüssigkeitsdichtem Handschuhmaterial und häufigem Händewaschen verbunden sind, müssen Händedesinfektionsmittel zur Ergänzung des Hydrolipidfilms rückfettende Substanzen in ihrer Galenik zum präventiven Schutz enthalten. Ziel dieser Studie war es, eine neue, standardisierte, in vivo Abwaschmethode einzuführen, die es ermöglicht Handwaschproben unter dem Parameter Oberflächenspannung zu erfassen und zu bewerten. Mit Hilfe des biophysikalischen Messwerts Oberflächenspannung konnten erstmals natürlich vorhandene auswaschbare Substanzen, Alkohole zur Desinfektion, organische und anorganische Desinfektionsmittel in Abwaschlösungen der Haut quantitativ erfasst werden. Das Oberflächenspannungsmessverfahren erlaubt es, die an der Grenzschicht Haut eluierbaren Stoffe über die Zeit und unter verschiedenen Applikationsdosen zu verfolgen. Die Dosierung von Rückfettern in Händedesinfektionsmitteln kann in vivo optimiert und der Verbleib unter Nässearbeit quantifiziert werden. Die Messung der Oberflächenspannung in Eluaten der Haut erlaubt Aussagen zu Rückständen von nieder- und mittelsiedenden Zusätzen wie Alkoholen und Duftstoffen.
doi:10.18725/oparu-612 fatcat:kim4qorg6rcybhfimxgchdubhy