Messters Experiment der Dirigentenfilme

Harald Pulch, Martin Loiperdinger, Sabine Lenk, Frank Kessler, Mediarep.Org
2021
Märchen noch so wunderbar, Technikerkünste machen's wahr« 1 : Mit diesem V ~rs beschließt im Jahr 1907 der begeisterte Korrespondent des Fachblatts Der !(mem~tograph den Bericht über seinen Besuch von Messters Biophon-Theater m_Berlm Unter den Linden. Als Oskar Messter 1913 darangeht, Filmaufnahmen nut namhaften Dirigenten zu machen, kann er als Erfinder des Biophons und Produzent von sogenannten Tonbildern, damals »singende, musizierende und sp~echende Photographien« genannt, bereits auf zehn
more » ... , bereits auf zehn Jahre technischer, künstlerischer und geschäftlicher Erfahrungen mit Musikfilmen zurückblicken. An-f3;0g September 1903 erregen die ersten Vorführungen von Messters Tonbildern 1ie Aufmerksamkeit der gesamten Berliner Presse: »Mit einer sensationellen Uberraschung trat am Schluss des vergangenen Monats die Direktion des Apol-lo~ The~ters hervor, und nunmehr bildet sie bereits das Tagesgespräch Berlins. Diese Uberraschung war das von Herrn Messter neu erfundene >Biophon<, die gelungene Darstellung lebender Bilder mit getreuester Wiedergabe auch von Wort und Ton,[ ... ]. Das Biophon ist die Sensation des neuen September-Programms im Apollo-Theater und wird die Bewunderung aller Welt ernten«. 2 . Das erste, aus fünf Filmstücken bestehende Programm präsentiert bereits die erstaunliche Vielseitigkeit des neuen Aufnahmeverfahrens. Es wurde zunächst die Polka-Mazurka DER SPECHT, ein Xylophon-Terzett mit ~rchesterbegleitung, vorgeführt, und man war wirklich erstaunt über die subtile Ubereinstimmung, die zwischen Bewegung und Ton bestand. Die Töne gelangten vollkommen klar zur Wirkung, die photographierten Personen waren von überraschender Natürlichkeit in ihren Bewegungen. Ein Posaunenscherz DER STUMME MUSIKANT VOR GERICHT erregte spontane Heiterkeit, [ ... ] noch mehr aber kam die vollendete Technik bei dem Violinsolo SPANISCHER TANZ von Sarasate zur Geltung. Jeder Griff des photographierten Künstlers stimmte mit den festgehaltenen Tönen überein, so daß die Täuschung eine vollkommene war. Dann Otto Julius Bierbaums aus der Überbrettlzeit so bekannt gewordener LusTIGER EHEM~N, der seine alte Zugkraft auch in dieser Form bewährte, und zum Schluß gab es Ubungen auf dem Kasernenhof, bestehend in Griffen und Wendungen. Jedenfalls scheint die neue Erfindung ein Schlager ersten Ranges zu sein, sie ist jedenfalls mehr als eine bloße Spielerei. 3
doi:10.25969/mediarep/16064 fatcat:qdmkgpi7cbbntc4n24r4lyyl6q