Visuelle perzeptuelle Stabilität und die Verarbeitung von Eigenbewegungsinformationen: Neurophysiologie, Psychophysik und Neuropsychologie

Stefan Dowiasch, Physik, Bremmer, Frank (Prof. Dr.)
2016
Während wir uns durch unsere Umwelt bewegen, sind wir ständig neuen Sinneseindrücken ausgesetzt. Insbesondere das visuelle System erhält fortwährend neue Informationen zur Verarbeitung, da wir unsere Augen nahezu ständig bewegen. Beispielsweise richten wir etwa dreimal pro Sekunde unseren Blick mit einer schnellen Augenbewegung, einer sogenannten Sakkade, auf einen neuen Bereich in unserem visuellen Feld. Dabei verschiebt sich das gesamte Abbild unserer Umwelt auf der Netzhaut (Retina) der
more » ... . Dennoch nehmen wir diese Verschiebung nicht bewusst wahr. Stattdessen haben wir den Eindruck einer stabilen Welt um uns herum, in der Objekte einen festen Platz haben. Meine Dissertation beschäftigt sich zunächst mit der Frage, welche Mechanismen dem Gehirn diese perzeptuelle Stabilität unserer Umwelt ermöglichen. Eine weit verbreitete These ist, dass dazu eine Koordinatentransformation des retinalen Abbildes in ein kopfzentriertes (egozentrisches) oder letztendlich sogar weltzentriertes (allozentrisches) Referenzsystem stattfindet. Für die Umwandlung von retinalen Koordinaten in kopfzentrierte Koordinaten benötigt man neben der Position eines Stimulus auf der Netzhaut auch Informationen über die gegenwärtige Position der Augen im Kopf. Der Physiker Hermann von Helmholtz war einer der Ersten, der bereits im 19. Jahrhundert vorschlug, dass dieses Augenpositionssignal als interne Kopie des Bewegungsbefehls an die Augenmuskeln anderen Arealen im Gehirn zur Verfügung gestellt wird. Dieses Efferenzkopie genannte Signal gibt dabei dem Gehirn die Möglichkeit, eine Handlung als selbstgeneriert zu klassifizieren und von einer extern generierten Bewegung zu unterscheiden. Sind wir selbst der Urheber einer Handlung, können wir deren Folgen vorhersagen und dies bei der weiteren Verarbeitung entsprechend berücksichtigen. Verschiebt sich also bei [...]
doi:10.17192/z2015.0355 fatcat:pex4b2idanaaznovpb7k433qce