Zur Diagnose und Behandlung der Malaria tropica2)

Karl Lehotay
1918 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Spitalsarzt in Budapest), z. Z. im Felde. Unsere bisherigen Erfahrungen liber die Ma1ria tropica gründen sich vor allem auf Beobachtungen, gemacht an Personen, di in don Tropen oder tropenähnlichen Gegenden aufgewachsen und iiifolge ihres schon viele Geschlechter hindurch währenden Aufenthaltes dortseibst eine gewisse [jnmunität gegen diese Krankheit erlangt haben. In zweiter Linie bot sich Gelegenheit zum Studium der Krankheit an Personen, die aus einem gemäßigten Klima in die Tropen oder
more » ... ie Tropen oder tropenähnliche Gegenden einwanderten, dort also weder aufgewachsen sind, noch sich akliinatisiert haben; die Zahl der behandelten Fälle dieser Art ist äußerst gering, schon aus dem Grunde, weil der Kranke, wenn er das tropische. Klima nicht vertrug, diese Gegenden mied, sodaß unsere diesbezüglichen Erfahrungen sehr mangelhaft sind. In letzter Linie schöpfte man die Erfahrungen über diese Krankheit in nicht tropischen Gegenden, die für die Entwicklung der nur eingeschleppten Krankheit mangels der notwendigen ständig hohen Temperatur nicht besonders günstig sind, weshalb dort die Krankheit nicht eine solche Ausbreitung und Heftigkeit zeigt wie in den Tropen. Als Ergebnis der in allen diesen Fällen gemachten Studien hatte sich eine Therapie herausgebildet, die sich bis dahin sehr gut bewährt hatte. Als nun unsere Truppen aus dem Norden nach Albanien kamen, wo die Malaria sehr stark auftrat, behandelten wir diese nach den bisherigen bewährten Erfahrungen, mußten aber die überraschende Wahrnehmung machen, daß die angewendeten Mittel in sehr zahlreichen Fällen versagten. Unsere Aufgabe wurde noch dadurch erschwert, dß in großen Teilen Albaniens ein nahezu tropisches Klima herrscht, dem sich auch ein gesunder Organismus nur mit einem Kräf teverlust anzupassen vermag; der Einfluß dieses Klimas auf einen Kranken, noch dazu auf einen Malariakranken, braucht nicht weiter erörtert zu werden. Die wirksamste Therapie mußten uns erst die Erfahrungen in den zahlreichen hier zur Behandlung gelangenden Fällen lehren.. Dazu bot sich mir die beste Gelegenheit, da ich seit Mitte Februar 1916 ärztlichen Dienst in einem Orte Albaniens leiste, der als eine Brutstätte der Malaria schon in Friedenszeiten berüchtigt war und darin nur vondepi derzeit durch die Italiener besetzten Valona übertroffenwjrd. Ein kurzer Ueberblick der genachten Wahrnehmungen über Umfang und Art der Erkrankung Sei vorausgeschickt. In der zweiten Hälfte des Monat Mai sah ich die ersten Fälle von Malaria tertiana, die sich dann bis Mitte Juni allmählich vermehrten. Von da an stieg die Zahl der Erkrankungen rapid, um Ende Juli den Höhepunkt zu erreichen. Die Tropica begann Ende Juni und bréitete sich vorerst wie die Ter!iana langsam aus, um dann, Anfang August, mit einem M. m. W. 1917 Nr. 34. Nach einem Vortrag, gehalten in Skutari am 27. XI. 1916. Male noch plötzlicher als . die Tertiana an Heftigkeit und Umfang zuzunehmen. Die Häufigkeit der Fälle blieb dann ungefähr auf diesem Höhepunkte bis Anfang September. In dem Maße, wie die Tropica zunahm, verminderte sich die Tertiana, um für eine Zeit der Malaria tropica fast gänzlich das Feld zu räumen. Ein schwaches Wiederaufflackern der Tertiana war Anfang Oktober zu beobachten, später kamen nur mehr vereinzelte Fälle vor; auch die Malaria tropica nahm seit Anfang September stetig ab. Was den Verlauf der Krankheit anbelangt, so war der Monat September nicht nur der schlimmste, sondern auch an Vielfältigkeit der Krankheitserscheinungen der interessanteste. Von diesem letzteren möchte ich einige bisher nicht veröffentlichte, besonders kennzeichnende Fälle, die uns wertvolle Beiträge zur Diagnose liefern, im Nachstehenden kurz hervorheben: So sah ich der Malariakachexie nahestehende Fälle, bei denen ich sogar auch das prophylaktische Chinin (0,5 pro die) auf kurze Zeit aussetzen ließ, fieberlos, besser gesagt, bei subnormaler Temperatur verlaufen -dabei positiver Blutbefund (massenhaft Ringe und auch Halbmonde) ; bei anderen Fällen wieder subfebrilen Fieberverlauf bei ebenfalls positivem Blutbefund. Dann wieder beobachtete ich schwerere und leichtere, jedenfalls aber jeder Therapie hartnäckig widersteheude Magen-Und Darmstörtingen, ohne Fieber, bei negativem Blutbefund. Die dabei auffallend reine Zunge, nicht palpable Muz, aber druckempfindliche Milzgegend veranlaßten mich zU einer energischen Chininktir, auf welche sich sodann der Zustand des Kranken auffallend rasch besserte. Weiter kamen sehr viele Fälle vor, bei denen sich trotz allen ausgeprägten Symptomen, charakteristischem Fieberverlauf wiederholt negative Blutbefunde ergaben, obzwar auf die Zeit der Blutentnahme, also bei Verdacht auf Malaria tropica nach Erreichung des Höhepunktes der Temperatur und beim Sinken derselben, besonders acht gegeben wurde. Schließlich nahm ich Fälle wahr, die vollständig fieberlos bei mehrmals wiederholtem negativen Bhitbefund verliefen, mit größerem oder kleinerem oder fast gar keinem Milztumor, nur mit Fmpfindlichkeit der Milzgegend, bei verhältnismäßig gutem bis sehr schlechtcm allgemeinen Zustande. Etwas aber fehlte in allen diesen Fällen nie; nämlich die häufig vorkommende subnormale Temperatur, die in einzelnen besonders schweren Fällen wiederholt bis unter 350 sank. Auf dieses Symptom will ich schon hier aus diagnostischen Gründen die Aufmerksamkeit lenken, da sich gerade bei der Malaria viele Aerzte auf den Standpunkt gestellt haben, alles vom Mikroskop zu erwarten, und dabei vergessen, daß das Mikroskop die Rätsèl nur unter besonderen Bedingungen und in einem bestimmten Prozentsatze lösen kann. Ueberdies müssen wir die Verhältnisse im Felde in Betracht ziehen, wo ja dem Truppenarzt nicht immer ein Mikroskop zur Verfügung steht, und daher nach Merkmalen suchen, aùf die wir uns ohne Verwendung des Mikroskops bei der Diagnose stützen können. Zum Beispiel: Von einer kleinen detachierten Abteilung, beispielsweise -was speziell bei mir häufig der Fall war -von einer Gebirgstrainkolonne, kommt nach dem Marsche ein Kranker zu mir, der auf dem Maroche unwohl geworden war, hauptsächlich über Gliederschmerzen und Kältegefühl klagt und dabei eine Temperatur von 35,40 zeigt. In einer xnalariaverseuchten Gegend werde ich in einem slchen Falle nicht auf Rheuma, sondern auf Malaria schließen können, und mein Verdacht wird sich oft als richtig bestätigen. Nicht uninteressant ist bei Fällen dieser Art die Beobachtung, daß nach Aussetzung jeder Chinineinnabme sogar eine längere Zeit, etwa sechs bis acht Tage, fieberlos, jedoch regelmäßig mit zeitweiser subnormaler Temperatur, also unter 36 0, verging, als ein plötzlich einsetzender Fieberaufstieg und dann positiver Blutbefund bewies, daß es sich um Malaria tropica handelte. Nachdem wir,in allen diesen Fällen das Vorhandensein einer subnormalen Temperatur beobachten konnten, dürfte es zweckmäßig sein, -'.-w.-Akute Malaria. Chinin behandelten, mittelschweren akuten Malaria tropica während der ersten Zeit nach überstandenem Fieberanfall: Zur Erläuterung diene Folgendes: Vom Tage der Verabreichung des Chinins fällt die Temperatur zuerst kritisch bis meist auf 370 Kurve A. '1 die Teniperaturverhältnisse, besonders die unter 370, hier einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen. Das nebenstehende Schema A gibt uns im allgemeinen Aufschluß über die Temperaturverhält-:: ' nisse bei einer erfolgreich mit Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0028-1134198 fatcat:mwqmanadsjbfpfyanyjigfedpu