Ueber das "Avenin"

St. Weiser
1903 Pflügers Archiv: European Journal of Physiology  
Chemiker an der Versuchsstation. Im Jahre 1883 ver0ffentlichte S a n s o n 1) eine kurze Mittheilung fiber einen wirksamen Bestandtheil des Hafers, der zur Gruppe der Alkaloide gehSren soll und den er "Avenin" nannte. Aus seinen mit verschiedenen Hafersorten ausgefilhrten Yersuchen zog er folgende Schli~sse: Die Hiilse des Hafers enthi~lt eine in Alkohol leicht liisliche Substanz, welche die Eigenschaft besitzt, die motorischen Nervencentren zu erregen. Die genannte Substanz, deren Existenz yon
more » ... deren Existenz yon einigen Beobachtern zugegeben, yon anderen geleugnet wird, ist nicht das Vanillin. Ks ist dies eine N-haltige, den hlkaloiden an-gehSrige Substanz yon der Zusammensetzung C56H21NOls. Das Avenin, so benannte S a n s o n diesen KSrper, ist nicht krystallisirbar, sondern feinkSrnig. Alle kultivirten Haferarten enthalten das Avenin, doch in verschiedener Menge, welche quantitative Unterschiede haupts~chlich yon der Bodenbeschaffenheit abhi~ngen. Die hellen Hafersorten sind an Avenin meistens iirmer als die dunklen. Doch sind auch diese Unterschiede von localem Charakter, da aus Schweden stammender dunkler und heller Haler das Avenin fast in gleicher Menge enthielten, wiihrend zwischen zwei aus Russland bezogenen Proben der Unterschied ein weit grSsserer war. Die Wirkung des Avenins auf das motorische Nervensystem des Pferdes tritt nur dann ein, wenn die Menge desselben wenigstens 0,9 % des lufttrocknen Hafers betri~gt. Es kann nicht mit Bestimintheit gesagt 1) Sanson, Compt. rend. t. 96 (I) p. 75--77. 1883.
doi:10.1007/bf01663671 fatcat:q4ofuc36lras7lxg4nobs7rjna