WEITERES ZU LANGOBARD. GAIRETHINX UND THINX

W. VAN HELTEN
1902 Beiträge zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur  
Auf s. 150 dieses bandes habe ich im anschluss an Pappenheim ausgeführt, dass der im freilassungsparagraphen des Ed. Eothari stehende ausdruck per gair(c)fliinx confirmct nicht auf die freilassung als solche bezügliches enthält und nur die vom patronus und den zwei ersten treuhändern vorzunehmende traditio betrifft, die den mit der vollfreilassung zu beglückenden in bezug auf den patronus zum extrancus (ämund) zu machen bezweckte; dass gair(e)thinx liier also nicht als Freilassung (durch
more » ... ssung (durch zuwerfung des gers)', sondern als 'Schenkungsformalität' zu deuten sei. Zur näheren begründung dieser fassung möchte ich noch auf den umstand hinweisen, dass abwechselnde Verwendung von gair(e)thinx und thinx nur dann zu beobachten, wenn die nomina für 'rechtsgiltige vermachung' gelten, nicht aber wenn Freilassung' ausgedrückt w r erden soll; in letzterem fall begegnet nur thinx ( s. Ed. Roth. 173, Liutpr. Legg. 140) gegenüber (gaire)tlihix 'rechtsgiltige vermachung' (s. Kd. Koth. 172. 174. 375 text Tind varr.; im Ed. Roth. 171. 173, Liutpr. L. 05. 73 findet sich allein tlimx, im Ed.Roth. 167, Liutpr. L. 54 allein yaircthinx 'rechtsgiltige vermachung', im Ed. B,oth. 224. 38G allein gaircthinx Formelle traditio'; wegen der beiden letzteren Paragraphen vgl. oben s. 150 und 149). Mit rücksicht auf diese tatsache dürfte identificierung von gair(e)thinx des beregten freilassungsparagraphen mit thinx Freilassung', sich eben nicht empfehlen. Im Widerspruch hiermit könnte allerdings beim ersten blick § 222 des Ed. Eoth. erscheinen: Si quis ancillam suatn propriam matrimoniare voluerit sibi ad uxorwn, sit ei licentiam; tarnen dcbeai eam libcra(vn) tldngare, sie liberafyi), Brought to you by | University of Queensland -Authenticated Download Date | 6/17/15 7:02 PM
doi:10.1515/bgsl.1902.1902.27.404 fatcat:zd3mxkcodfdhtobuh5fff7mjmu