Das Doppelresidenzmodell nach elterlicher Scheidung

Angelika Spies
2010 unpublished
Das österreichische Gesetz beinhaltet derzeit neben dem alleinigen Sorgerecht die Möglichkeit, dass beide Eltern nach Scheidung die Obsorge für ihr Kind zugewiesen bekommen. Voraussetzung hierfür ist, dass sie sich über den Wohnsitz des Kindes, entweder bei Mutter oder Vater, einigen. In den meisten Fällen lebt das Kind dann bei der Mutter, wobei der Vater laut Besuchsrecht je nach Vereinbarung zum Beispiel jedes zweite Wochenende mit dem Kind verbringen kann. Das in einigen anderen Ländern
more » ... tierende sogenannte "Doppelresidenzmodell" sieht zwei Hauptwohnsitze für das Kind vor, wobei es ca. 50 % seiner Zeit bei der Mutter und 50 % beim Vater leben soll, in Intervallen von beispielsweise jeweils einigen Tagen oder einer Woche. Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Akzeptanz der österreichischen Bevölkerung für das Doppelresidenzmodell zu ermitteln sowie festzustellen, welche Variablen diese grundlegend beeinflussen. Hierzu wurde ein Fragebogen erstellt und von 165 Probanden und Probandinnen ausgefüllt. Die statistische Auswertung ergab, dass Männer mehr Akzeptanz für das Modell zeigen als Frauen. Außerdem ist die Akzeptanz von geschiedenen Personen höher als jene von nicht geschiedenen. Des Weiteren zeigte sich, dass mit dem Alter und, eingeschränkt gültig, mit der Offenheit die Akzeptanz steigt. Keinen Effekt auf die Akzeptanz hatten Wohnort, Bildungsgrad, eigene Kindheitserfahrungen und Rollenverständnis. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Österreicher und Österreicherinnen wohl aufgrund weniger Vorinformationen eine neutrale bis positive Einstellung zum Doppelresidenzmodell haben. Intensive Folgeforschungen sind nötig, um die genauen Bedingungen des Funktionierens des Modells sowie Erfolge oder Misserfolge konkreter Scheidungsfamilien untersuchen zu können.
doi:10.25365/thesis.10683 fatcat:cyhgwsh4dvajbpsr3iaeclptlu