Ueber die Herman-Perutzsche Syphilisreaktion

Josef Kallós
1913 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Der praktische Wert der auf dem Priuzipe der Prazipitation aufgebauten Porge s sehen Syphulisreaktion ist nach vielen Forschern so gering, daß sie bei der Diagnose der Lues nicht zur Anwendung kommen kann. Es ist alibekanat, daß man derzeit sogar mit der besten Syphilisreaktion -mit der WaR. -bei syphilitisehen Symptomen negative Re-aktion bekómmen kann. Deshalb forscht man stindig nach einem diagnstischen Verfahren, das verliißlichere Daten liefert als die WaR. Eine solche scheint die
more » ... cheint die vonl{erman undPerutz modifizierte Porgessehe Reaktion zu sein. Ueber die ZuverWssigkeit dieser Reaktion, auf die in jüngster Zeit auch G a m meltoft hingewiesen hat, wollte ich mir Ueberzeugung verschaffen. In der vor Beginn meiner Untersuchungen erschienenen G a m me 1 t o f t sehen Publikation wird die Aufmerksamkeit der Forscher auf diesen Umstand gelenkt und die Ueberprüfung der Reaktion als beachtenswert empfohlen. Bei den Herman-Perutzschen Untersuchungen verwendet man eine Alkoholcholesterinsuspension und eine 2 %ige mit Wasser verdiinnte Glykocholshure-Natriumlösung, nach folgender Formel: Dies bildet eine Stammlösung, aus der mit destilliertem Wasser eine 2Ofach verdünnte Lisung bereitet wird. Die 2 %ige glykocholsaure Na-Lisung muß in jedem Falle frisch gemacht werden. Zu 0,40 corn zu untersuchcndem Serum geben wir 0,20 cern von der 2Ofach verdünnten Stammiösung und 0,20 cem von dem frisch bereiteten 2 %igen glykocholsauren Na, das Ganze wird gut vermischt und bei Zimmertemperatur stehen gelassen. Nach spatestens 20 Stunden wird das Resultat abgelesen. Die Positivität der Reaktion ist daraus ersichtlich, daß sieh in dem in oben besehriebener Weise zusammengemisehten Serum + Reagens ein flaumartiger Niederschlag bildet. Herman und Perutz halten die halbstündige Erwarmung bzw. die Inaktivierung des zu untersuchenden Blutserums auf 56° für notwendig. O. Thomsen, H. Boas und Ellermann halten eine fünf Minuten lange Erwärmung für genügend. Nach meinen Erfahrungen gab das nichtinaktivierte Serum zumeist eine viel stärkere Prazipitation als das inaktivierte Blutserum. Zur Verdünnung der Stammlösung hält El le r m ann statt destillierten Wassers physiologisches Kochsalz für besser. Meine in dieser Richtung parallel vorgenommenen vergleichenden Versuche überzeugten mich nicht von dessen Zweckmäßigkeit, insofern mit diesem Vorgehen zumeist nach dem ursprünglichen Verfahren auch in dem stark positiv reagierenden Serum sich entweder gar keine oder eine nur sehr schwache Prazipitation einstellt. Eller mann wollte die Reaktion quantitativ vornehmen, und zwar derart, daß er mit 0,20 cern oder noch kleineren Mengen gearbeitet hat ; aber seine diesbezüglichen Bestrebungen vereitelten die auch mit nicht luetisohem Serum sich bildenden Präzipitationen. Meine ähnlichen Versuche bekräftigten diese Annahme. Dem Anschein nach besteht zwischen der Intensität der Reaktion und dem luetischen Prozeß ein ebensolehes Verhältnis wie bei der Wa.R. Perutz, Gammeltoft und andere halten die Reaktion für spezifisch bei Lues, obgleich wir von dem bei der Reaktion sich abspielenden Prozeß bisher keine sichere Kenntnis haben. Wir nehmen wahrscheinlich ebenso irrtümlich an, daß dies ein Präzipitationsprozeß ist, so wie bei der Wa.R. die Bordet und Gengousche Antigen + Antikörper + Komplement-Bindungstheorie nicht stichhaltig ist, wie man es ursprünglich angenommen hat. "Es ist aber wahrscheinlich, daß sowohl die Klausnersche als auch die Porgessche Reaktion mit dem biologischen Prozesse der streng genommenen Prazipitation nichts gemein hat, sondern nichts anderes ist als eine gewisse physikalisch-chemische Veränderung der Kolloidstoffe." Den größten Teil meines Versuchsmaterials stellte mir das Garnisonspital zur Verfügung, mit dankenswerter Erlaubnis von Oberstabsarzt Dr. Georg Mog a und freundlicher Unterstützung von Regiinentsarzt Dr. Béla Janko. Insgesamt untersuchte ich das Blutserum von 195 Individuen. In einzelnen Fallen nahm ich auch fünfmal die Reaktion vor, mit Serum, das von demselben Individuum stammte, aber zu verschiedenen Zeiten genommen worden ist. Gleichzeitig wurde auch auf Wa.R. die Untersuchung vorgenommen.
doi:10.1055/s-0028-1128765 fatcat:5ndjbsqdibbundlsjce2vcswaa