Ein besonderer Fall des heterogenen Gleichgewichts

P. P. Fedotieff
1911 Zeitschrift f�r anorganische Chemie  
Und was man einst als spezielle Eigenschaften der Affinitat bezeichnete, mulste nach und nach als eine nur innerhalb gewisser Qrenzen giiltige und von den Versuchsumstanden im hochsten Grade abhangige Aulserung von gewissen Ursachen betrachtet werdeii, die, wenn uns noch unbekannt, doch sicherlich mit der nlten Affinitgt wenig zu tun hatten. W. MEPEBHOFFER. In meiner Abhandlung uber die Reaktion der Kupferjodidbildungz erhielt ich bei gegebenen Temperaturen bestimmte Konzentrtttionen dieser
more » ... tttionen dieser Verbindung in wasserigen Losungen. Diese Losungen lasson sich als gesattigte Lijsungen von Kupferjodid CuJ, betrachten. Bei Zugabe von Jodkalium zu denselben fallt CuJ aus. Betrachtet man die LBsung von CuJ, als die Losung eines schwerlijslichen Salzes, so lalst sich die erwahnte Erscheinung durch die Liislichkeitserniedrigung infolge der Zugabe eines Salzes mit gemeinsamem Ion erklaren. Eine ahnliche Erscheinung beobachtet man beim Zusatz einer gewissen Menge eines beliebigen Kupfersalzes. Die Lijslichkeitserniedrigung wurde von W. C. BRAY und Mac KAY in einzelnen Fallen quantitativ verfolgt. Aus einem allgemeinen Gesichtspunkte liek sich das Verhalten des Systems CuJ + J f -CuJ, verschiedenen Reaktionen gegenuber voraussehen. Man kann bei-111s Deutsche iibertrageii VOII 1. PINSKER-Berlin. 2 Beer. d. M. Petersb. PoZytechlz. Inut. 14 (1910), Lief. 1 ; Z. anorg. Chem. 69 (1910), 22. Bald nach dem Erscheinen meiner Abhandlnng in der Zeitschr. fur anorgan. Chem. erhielt ich von Herrn BRAY aus Boston einen liebenswiirdigen Brief, in dem er mir mitteilt, dafs er und MAC KAY sich vor zwei Jabren mit derselben Frage besehiiftigten, den Bericht aber uber ihre Versuche zu gleicher Zeit mit den rneinigen druckeu liefsen. Wir erhielten (wenn inan die Temperaturen beriicksichtigt) iihnlicbe Resultate. Siebe Jwvn. Amer. Chem. Sor. 32 (1910), 1207. %. nnorg. Chem. Ed. 73 12 174 P. Fedoh# spielsweise ein heterogenes System realisieren, in welchem eine der Komponenten Kupferjodid ist. Lafst man nun auf irgend ein Kupfersalz ein Jodid eines anderen Metalls einwirken, so erhalt man CuX, + MeJ, = MeX, + CuJ + J. Bei einer geniigenden Menge der reagierenden Stoffe lafst sich dann eine entsprechend dem betreffenden Temperaturintervalle gesattigte Losung mit fester Phase yon tler Zusammensetzung etwa Hex" MeJ" CuJ, J erhalten. Dieser Fall ist insofern interessant, als hier in der festen Phase vier Komponenten (daruoter ein Haloid) vorhanden sind. Wir haben es hier mit den eigentumlichen reziproken Salzpaaren zu tun und zwar, wie es sich zeigen wid, von ganz besonderer Art. Bekanntlich wird bei den reziproken Salzpaaren das vollstandige Gleichgewicht durch das Vorhandensein dreier Salze in fester Phase bestimmt. Sight man im vorliegenden Falle das Jod auch d s eine selbstandige Komponente an, so wird noch eine Bedingung erfiillt, namlich die, dals die Konzentrtttion des Jods konstant ist. Es bestehen hier gewisse Analogien mit dem von mir untersuchten Salzsystem des Ammoniak-Sodaprozesses. Dort mulste man wegen der Dissoziation der Bikarbonate zur Erhaltung eindeutiger Resultate mit an CO, gesattigten Losungen arbeiten, was zu der Bedingung fiihrte: Pco, + PHto = 1 Atmosphiire. In unserem Falle ist es wegen des Zerfalls des CuJ, bei Gegenwart von Wasser in CuJ und J notwendig, dah die L6sung mit Jod gesattigt ist: CJ, = K. Die Wahl der Salze fur die Untersuchung ist nicht einfach. In ers ter Linie miissen die leichtl6slichen Jodsalze ausgeschlossen werden, weil bei diesen infolge der Bildung verschiedener Komplexe bedeutende analytische Schwierigkeiten auftreten. Bei den Jodiden der Alkalimetalle z. B. ist auher der Bildung von Polyjodiden in der Lijsung noch die Moglichkeit vorhanden, dab dieselben sich in fester Phase au~scheiden.~ Es mufste also fur unsere Untersuchungen ein inoglichst schwerlosliches Jodid angewandt werden. Ich wahlte das System: Cu(NO,), + PbJ, = Pb(NO,), -+ CUJ + J. Bleijodid hat eine geringe Lijslichkeit ; eine geringere noch ale Kupferjodid. Die Loslichkeit der Nitrate ist sehr erheblich. Ein-
doi:10.1002/zaac.19110730108 fatcat:t3g2vsqen5emtpfrlexlivnnji