Rezension - Wahl, G. & Schmitt , W. (Hrsg.) ( 1994 ). Vom Nutzen und Nachteil der Historie. Warthausener Gespräche der Seelenheilkunde. (Wissenschaftliche Beiträge zur Seelenheilkunde Band 1)

Helmut E. Lück, Leibniz Institut Für Psychologische Information Und Dokumentation (ZPID), Leibniz Institut Für Psychologische Information Und Dokumentation (ZPID)
2017
Bedeutung hatte, nur am Rande behandelt. Entsprechend diesem Konzept wird der Laie, so z.B. der Studienanfänger, auch weite Ausführungen über die Psychoanalyse in Amerika vermissen. (Wohl werden Freuds Amerikareise und G. Stanley Halls Rolle bei der frühen Rezeption der Psychoanalyse in den USA beschrieben.) Im Mittelpunkt steht also die "akademische" Psychologie. Interessantes äußeres Kennzeichen dieser Orientierung ist die Tatsache, daß zu jedem erstmals genannten Namen der höchte akademische
more » ... höchte akademische Titel, die Hochschule, an der dieser Titel erworben wurde und das Jahr des Titelerwerbs in Klammern vermerkt wird, z.B.: "Edward B. Titchener (Ph.D., Leipzig, 1892)" oder "Albert T. Poffenberger (Ph.D., Columbia, 1912)". Das großformatige, gebundene Buch ist zweispaltig gedruckt. Die Reproduktionen sind qualitativ zufriedenstellend und gerade groß genug. Etwa ein Drittel der Abbildungen sind Portraits, vielleicht ein Viertel zeigt Geräte und Laboratorien; zum verbleibenden Rest zählen Tests, Buchtitel, handschriftliche Notizen, und solche Dinge wie das Exlibris von Tolman und die Visitenkarte von William Stern. Die Bildunterschriften sind recht ausführlich und geben oft Hinweise auf die Entstehung der Bilder. In Relation zum beträchtlichen Aufwand des sorgfältig hergestellten Buches erscheint mir der Preis als niedrig. Offensichtlich kalkuliert der Verlag mit einer größeren Käuferzahl. Da es ein derartiges Buch bislang nicht gab, wird die Rechnung für den Verlag wohl aufgehen. Schließlich ist die Illustrated History mit einem brauchbaren Index auch ein vorzügliches Nachschlagewerk, auf das auch deutsche Psychologische Institute und Universitätsbibliotheken nicht verzichten werden. John Popplestone und Marion White McPherson haben die Tore ihres großen Archivs weit geöffnet und Ihren Gästen Ihre Schätze großzügig dargeboten. Nicht nur Psychologiehistoriker werden hierfür dankbar sein. Halt, noch etwas: Für Dozenten wird ergänzend zum Buch ein Satz von 345 Diapositiven für 180 $ angeboten. Das dazugehörige Begleitheft enthält mit fortlaufender Numerierung noch einmal die vollständigen Bildunterschriften aus dem Buch. Wer jetzt noch langweilige Einführungsvorlesungen hält ... Helmut E. Lück Wahl, Gunter] & S chmitt , Wolfram] (Hrsg.) ( 1994 ). Vom Nutzen und Nachteil der Historie. Warthausener Gespräche der Seelenheilkunde. (Wissenschaftliche Beiträge zur Seelenheilkunde Band 1). Reichenbach: Verlag Kommunikative Medien und Medizin. 217 Seiten, geb., 65,-DM. Helmut E. Lück & Elke Mühlleitner (Hg.) (1993). Psychoanalytiker in der Karikatur. München: Quintessenz. Geb., 201 Seite, DM 49,80. Helmut E. Lück und Elke Mühlleitner (die 1992 ein "Biographisches Lexikon der Psychoanalyse" herausgebracht hat) haben, so sagt es ein Ankündigungstext des Verlages treffend, ein "etwas kurios anmutendes Büchlein" herausgegeben und sorgfältig ediert, das alle 88 Karikaturen vereinigt, die zwei ungarische Künstler, Olga Székely-Kovács (Tochter der Psychoanalytikerin Vilma Koväcs und Schwester von Alice Bálint) und Robert Berény (ein revolutionärer ungarischen Künstler, der enger mit Ferenczi bekannt war und möglicherweise von diesem analysiert wurde), auf dem VII. Internationalen Psychoanalytischen Kongreß Ostern 1924 in Salzburg gezeichnet haben. Diese Karikaturen wurden zwar nach dem Kongreß in einem Privatdruck zusammengefaßt und erschienen im genannten Jahr im Internationalen Psychoanalytischen Verlag (Leipzig/ Wien/Zürich), waren jedoch bislang nie geschlossen im Buchhandel, sondern lediglich vereinzelt in verstreuten Publikationen erhältlich. Doch nicht allein darin, diese Karikaturen erstmals wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt vorzulegen besteht das Verdienst der Herausgeber. Dieses "Büchlein" hebt sich wohltuend von einer anderen neueren Publikation zur Geschichte der Psychoanalyse ab, in der einige der Karikaturen in diffamierender Absicht verwendet werden. Ich meine das Buch von Annemarie Dührssen "Ein Jahrhundert Psychoanalytische Bewegung in Deutschland" (Göttingen, 1994). Dort finden wir auf S.67 5 der 88 Karikaturen (Ferenczi, Jones, Abraham, Eitingon, Bernfeld und Schilder) mit der durchsichtigen Absicht abgebildet, den Kreis um Freud und diesen selbst zu desavouieren. So soll mit ihnen die zentrale These der Autorin belegt werden, daß die sich nach der Abspaltung Jungs um Freud fest zusammenschließenden Männer des sog. Bundes der Ringträger, der eine jüdisch zu nennende, gegen Veränderung gerichtete Gruppendynamik entfaltet habe, die erst im Nationalsozialismus habe gebrochen werden können, weder gut aussehend noch groß gewachsen, mithin in ihrer "männlichen Identität recht erschüttert und verunsichert waren" (ebd.). Auch ansonsten sind die antisemitischen Töne in diesem Buch unüberhörbar (vgl. die Rezension von Peter Gay in der Süddeutschen Zeitung vom 21. Oktober 1994). Die Autorin hätte sich wohl lieber hochgewachsene und gutaussehende blonde Recken gewünscht. Und so
doi:10.23668/psycharchives.504 fatcat:vyfxgh275vbyvixfothz4jphve