Über den Bastard von Stieglitz und Kanarienvogel

Georg Theobald Klatt
1901 Development, Genes and Evolution  
Schluss.) C. Das Skelet. Um eine Vergleichung" der Skelette auszufUhren, bin ieh yon dem Kanarienvogelskelet ausgeganffen; ich gebe im Folgenden dessen Beschreibung. Ieh babe vier VSffel, ein Miinnehen und drei Weibehen, untersucht und ffenaue Messungen an ihnen vorgenommen. Die Zahlen im Text beziehen sich auf den in den Tabellen als ersten aufffeftthrten Kanarienvogel: es sind die absoluten MaBe. Zur hTomenklatur habe ich folgende Arbeiten benutzt: FURBRINGER~ Untersuch. zur Morphologie und
more » ... r Morphologie und Systematik der VSgel, BRONN'S Klassen und Ordnungen des Thierreichs, GEGENBAUR, Beitriige zur Kenntnis des Beckens der VSgel. An manchen Stellen, wo ein Name fehlte, habe ich selber einen eingefUhrt; diese Bezeichnungen stehen in AnfUhrungsstrichen. Die Photographien der Schiidel hat der Priiparator des Zoologischen Museums in GSttingen, Herr C. OBERDORFER, angefertigt. Ftir seine freundliche Hilfe sei ihm hiermit bestens ffedankt. a. Das Skelet des Kanarienvogels. Sch~del (siehe Taf. IX Fig. 2 a und 2 b). Die Schiidelllinge betrligt nach Wegnahme der Horndecke des Schnabels 25 mm, die griiBte Sehiidelbreite 13,6 mm. Der Sch~tdel ist am breitesten, wo die Processus orbitales posteriores entspringen. Ein Bild yon der relativen Lage des Punktes der grSBten Breite Archly f. Entwickelungsmechanik. XII. 3:~ 472 Georg Theobald Klatt bekommt man, wenn man seine Entfernung vonder Schnabelspitze auf die ganze Schiidelliinge bezieht. Setzt man diese = 100, so ist jene Entfernung ~ 75. Das Verhi~ltnis der Schiidelliinge zur Schiidelbreite ist 183//100. Die Schiidelhtihe habe ich nicht gemessen, da es bei der geringen GrSBe der Objekte unmSglich ist, eine Normalstellung des Schiidels zu bestimmen und auf deren Grunde genaue Messungen vorzunehmen. Ebensowenig konnte eine Messung der Kapacitiit der Schlidel ausgefUhrt werden. Der Sehnabel ist kurz, gedrungen und hat eine stumpfe Spitze, die Seitenriinder sind nach auBen gewSlbt, die Oberseite ist gekrUmmt; er misst yon der Spitze bis zur Naht des Frontale 11,6 mm. Das Verhaltnis der Schnabelliinge zur Schiidell~inge ist 46/'100. In der HShe der Mitte der Nasen-15chef ist er 5,8 mm breit. Das Verh~ltnis der L~tnge zu dieser Breite ist 200/100. Die Nasenlticher sind 3,25 mm lang und 2,7 mm breit; dasVerhiiltnis der L~inge zur Breite ist 118/'100. Die Lage der NasenlScher bestimmt man, indem man die Entfernung des vorderen Randes des Nasenloehes yon der Schnabelspitze dutch die Schnabelliinge dividirt: das Verhiiltnis ist 55/100. Die pritfrontalen Fortsiitze sind 7 mm yon einander entfernt, sie sind abgerundet. Dutch eine Ltieke setzen sich yon ihnen die Lacrymalia ab, die mit einer stumpfen Spitze nach hinten gekrUmmt sind. Der Rand des interorbitalen Raumes schneidet fief ein (kleinste Breite 4,4 ram), wendet sich dann in einem seharfen Bogen seitwlirts und endigt in dem postfrontalen Fortsatz. Die Spitzen der ansehnlichen Proeessus orbitales posteriores sind yon einander 10,8 mm entfernt. Das Septum interorbitale ist beim 1. und 3. Kanarienvogel durehbohrt (s. die Zusammenstellung auf pag. 497). An dem 1Jbergang yon der oberen zur hinteren Orbitaldeeke ist eine groBe, yon einer Membran verschlossene LUcke. Alle untersuchten Exemplare haben neben dem Foramen opticum noch ein zweites Loch zum Durchtritt von Nerven (s. die Zusammenstellung pag. 497). Die Li~nge der Orbita vom pritfrontalen bis zum postfrontalen Fortsatz betriigt 7,8 mm. Die Schiidelkapsel ist in der Dorsalansieht allseitig abgerundet, nur das Os occipitale superius ragt etwas hervor. Der Vereinigungspunkt der Pterygoidea ist "con der Schnabelspitze 14,2 mm entfernt, yon dem Tuberculum des Os oceipitale superius llfi mm. Das Quadrature hat einen sehr langen vorderen Fortsatz, der den Pterygoidea parallel l~tuft und sich an der Spitze aufwlirts krtimmt. Die ~uBeren Seiten der Quadrata sind yon einander 13,2 mm entfernt. Uber den Bastard yon Stieglitz und Kanarienvogel. 473 Jeder Zweig des Unterkiefers ist 17fl mm lang, die grSBte Entfernung der Aste betr~4"t 12,7 mm. Die grSBte HShe eines Zweiges betragt 3fi ram; dieser Punkt der grSBten Hiihe liegt bei geschlossenem Schnabel etwa in der Mitre des Jugale. An dieser Stelle hat der Ast ein Loch~ das 2,8 mm lang ist. Zungenbein. Das Basihyale ist dorsal stark konkav gebogen und seiflieh zusammengedrUekt. Das Os entoglossum ist pfeilfSrmig, in ~ der Mitte gespalten, die proximalen Theile der tii~rner sind abgeplattet, im distalen Theile schmliler und 8,7 mm lang~ die distalen Theile der HSrner 4,2 mm lang. Schultergfirtel. Coracoid. Es ist 15,4 mm lang, in der Mitte 0,8 mm breit, medial sehwaeh konkav, an beiden Enden starker gekrUmmt, distal durch eine Verbreiterung des Coraeoid selbst~ proximal durch das medial welt vorspringende Acrocoracoid. Die 2,05ram lange Facies clavieularis ist vorn verbreitert, die hintere Spitze des Acroeoracoid medial und ventral vorgezogen~ seine dorsale Fli~che vorgewiilbt. Der laterale Rand des proximalen Endes erhebt sieh ventral gewSlbt als ein Wulst~ das Labrum glenoidale, das bis an das Procoraeoid reicht. Die Mitre des proximalen Endes hat eine ansehnliche Rinne. Das sehr verktimmerte Proeoraeoid tritt in der Mitte des Coracoid als scharfe Kante auf, steigt in proximaler Richtung sanft an und ffillt dann rasch ab, ohne einen Haken zu bilden; es schlieBt mit einem dorsalen HSeker. Die grSBte Starke des Knochens ist hier 1,1 mm. Der Sulcus supracoracoideus ist eine flache Grube. Der mediale Rand des distalen Endes des Coracoid bildet mit der halbmondfSrmigen, 3,3 mm langen Crista articularis sternalis den zipfelf~irmigen Proeessus medialis posterior. Der Processus lateralis posterior ist dUnn~ flUgelartig~ er endet proximal auf dem KSrper des Coracoid in einer seharfen Kante, die die Impressio sternoeoracoidea abschlieBt. Die Entfernung zwisehen Proeessus medialis und Proeessus lateralis betr~tgt 4,8 mm. Scapula. Sie ist yon dem dorsalen Zipfel des Acromion bis zur hinteren Spitze 17,75 mm lang, lateral konkav and ventral schwach konkav. Die stumpfe Spitze ist lateral-ventral gedreht. Die dorsale Fl~ehe 32* 474 Georg Theobald Klatt ist yon der Spitzs bis etwa zur Mitte sehwash ausgehShlt, aush im proximalen Theils findet sich eine flache Vertisfung. Die ventrale Fliiehe ist schwaeh rundlieh, dutch Muskelansiitze sehwaeh aus-gehShlt. Der msdiale Rand ist proximal schwach abgerundet, sonst seharf. Vor dsr Spitzs bildet er einen Winkel. Der laterale Rand setzt sieh seharf gegen die Gelenkflitehe ab, ist sanft gekrtimmt, bildet aber vor der Spitze einen seharfen Bogen. Er ist im vorderen Theile sehwach abgerundet~ sonst scharf. Das Acromion bildet zwei Zipfel, einen ventralen und einen dorsalen~ die einen stumpfen Winkel bilden; ihre Spitzen sind 1,9 mm yon einander entfernt. Die Gelenkfliiehe fiir den Humerus liegt nieht in der Riehtung der Seapulafliiehe, sondern sieht ein wenig proximalwarts; sic ~thnelt einem halben Oval. Clavicula. Sic verbindet sieh dureh den aerocoraeoidalen Theil mit dem Acrocoracoid, dureh den supracoraeoidalen Thsil mit dem Acromion, zwisehen dessen Zipfel sie sich in schrliger Riehtung legt. Von der Spitze der Crista sterni ist dis Clavicula 2,6 mm entfernt. Die Schenkel sind in der Frontalebene und in der Sagittalebene gskriimmt, im hinteren Theile st:~trker. Jeder Ast ist vorn seitlieh zusammengedrUek L hinten dorsoventral abgeplattet. Das Epicleidium ist dreieckig mit konvexer Lateralseite; die ventrale Spitzs ist naeh auBen gebo.g.en~ dis gerade Seite ist 3~3 mm lang. Die grSBte Entfernung der Aste betriJ4"t 4 mm. Der Processus interelavieularis ist gut ausgebildet. Ein 0s humeroscapulare ist vorhanden; es ist sehr klein. Obere :Extremit~t. Die Bezeichnungen ;>medial, und >,lateral~ in der Beschreibung der Knochen der oberen Extremit~it gelten fiir den zusammengeklappten Fliigel. Humerus. Er ist 17 mm lang. Die konkave mediale KrUmmung ist starker als die konvexe laterals; auBerdem ist der Knoehen dorsoventral ge-krUmmt, in der proximalen H~tlfte dorsal konkav~ in der distalen dorsal konvex. Die grSBte proximale Breite betriigt 5,5 mm. Das Caput artieulare ist ellipsoidiseh und spitzt sieh an beidsn Enden etwas zu, so dass es die Gestalt eines Getrsidekornes hat. Seine Liingsachse lie~ nieht senkrecht zur Liingsachse des Knochcns, sonderu das mediale Ende liegt weiter proximal; die Incisura .-prox. En4o grol~ z~v. Kan.u. St. ~ St. zw.K&ll.U.,~t.
doi:10.1007/bf02292006 fatcat:vbb3zru6ufbe5ilc444rduy2le