Der kapitalistische Staat: Antwort an Nicos Poulantzas

Ralph Miliband
1971 Kritische Justiz  
Während ein Teil der Kritik von Poulantzas -wie ich zu zeigen versuchen werde -unberechtigt ist, ist das Ziel meiner folgenden Bemerkungen nur beiläufig, mein Buch zu »verteidigen«. Mein Hauptziel ist eher, einige generelle Gesichtspunkte aufzugreifen, die sich aus seiner Rezension ergeben und die mir von besonderem Interesse für die Untersuchung von Natur und Rolle des Staates in der kapitalistischen Gesellschaft zu sein scheinen. [ _ . _] I. Das Problem der AI ethode Der erste dieser
more » ... unkte betrifft die Frage der Methode. Poulantzas deutet an, daß, ungeachtet der Verdienste des Buches (über die er sich sehr großzügig äußert), die in ihm versuchte Analyse durch das Fehlen eines »Problemzusammenhanges« beeinträchtigt wird, in den die aufgewiesenen konkreten Daten sich einfügten. Letztlich wirft mir P. das vor, was C. Wright Mills ,.abstrakten Empirismus« nannte und was ich selbst gerade pluralistischen AutOren vorwerfe. 1 Poulantzas stellt ganz richtig fest, daß es eine Vorbedingung jeder wissenschaftlichen Untersuchung des ,.Konkreten« ist, die erkenntnistheoretischen Grundlagen der eigenen Auseinandersetzung mit ihm offenzulegen, und er fährt fort mi: der Bemerkung, daß »Miliband an keiner Stelle die marxistische Sta;:.tstheorie als solche behandelt, obgleich sie ständig in seinem Werk implizit enthalten ist«. Tatsächlich gebe ich ganz explizit einen überblick über die marxistische Theori(; des Staates~, zweifellos aber sehr kurz. Ein Grund hierfür ist -abgesehen davon , daß ich an an anderer Stelle die Marx'sche Theorie des Staates erörtere habe 3 -, daß ich mich, nachdem ich die marxistische Theorie des Staates skizziert hatte, darauf konzentrierte, sie der herrschenden demokratisch-pluralistischen Position entgegenzusetzen und deren Unzulänglichkeiten in der mir einzig möglich erscheinenden Form, nämlich mit empirischen Mitteln, zu zeigen. Es ist volikommen richtig, wenn Poulantzas die Wichtigkeit eines angemessenen Problemzusammenhanges für ein solches Unternehmen betont; und es ist wahrscheinlich richtig, daß mein Problemzusammenhang ungenügend erkläre ist. Aber da Poulantzas feststellt, daß ein derartiger Problemzusammenhang »ständig in meinem Werk implizit enthalten ist«, bezweifle ich, daß meine Darstellung durch empiristische Deformationen derart beeinträchtigt wird, wie er meint. Das heißt, daß I Th. State in Capitalist Socicty, S. '71. ! Ebend"_ S. 5,93 , S .Man; ",nd the State., in: The Socialist Register, 1965https://doi.
doi:10.5771/0023-4834-1971-2-210 fatcat:xmkqvd44p5hebnaduypwejr2oi