Der Weg. Eine Quelle zu den Sozialwissenschaften in Österreich am Beginn des 20. Jahrhundert

Reinhard Müller
1995
Am 1. Oktober 1905 erschien die erste Nummer der Wochenschrift für Politik und Kultur "Der Weg". Bis zum 31. März 1906 wurden insge samt 27 Hefte und ein konfisziertes Heft in zwei ter Auflage mit einem Gesamtumfang von 448 Seiten veröffentlicht.* Gründer, verantwortlicher Redakteur und Herausgeber war Friedrich Otto Hertz, als Mitherausgeber zeichnete Richard Charmatz. Die Zeitschrift mußte eingestellt wer den, nachdem im J anuer 1906 der enge Mitar beiter Roman Sembratowycz verstorben war und
more » ... Friedrich Otto Hertz von seinem neuen Posten als Sekretär beim "Bund österreichischer Indu strieller" zu sehr beansprucht wurde. Der Soziologe, Nationalökonom und Historiker Friedrich Otto Hertz wurde am 26. März 1878 in Wien geboren. Nach dem Studium an den Uni versitäten Wien und München (hier 1903 Dr. oec. publ.) war er zunächst als Journalist tätig, war von 1906 bis 1912 Sekretär beim "Bund österreichischer Industrieller" in Wien und 1913 bis 1914 Manager bei einer Schweizer Versiehe-* Die Zeitschrift ist im Nachlaß Friedrich Otto Hertz im "Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich" (AGSÖ) unter der Signatur 28/9.5 voll ständig vorhanden; das konfiszierte Heft vom 21. Oktober 1905 gibt es sowohl in der konfiszierten ersten als auch in der z.ensurierten zweiten Ausgabe. rungsgesellschaft in Bern. Von 1919 bis 1929 war er Auslandsreferent in der österreichischen Staatskanzlei beziehungsweise im Bundeskanzler amt in Wien, zuletzt im Range eines Hofrats. 1929 an die Universität Halle-Wittenberg beru fen, war er 1930 bis 1933 als ordentlicher Pro fessor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften und Soziologie in Halle an der Saale tätig. Nach der Machtübernahme durch die N ationalsoziali sten legte er -seiner Entlassung zuvorkommend seine Professur nieder und flüchtete nach Wien. 1938 emigrierte er nach London, wo er sich füh rend in der österreichischen Emigrantenszene engagierte und als Privatgelehrter wissenschaft lich tätig war. 1946 wurde er -als Frederick Hertz -britischer Staatsbürger. 1964 erhielt er als erster Brite den "Europäischen Karls-Preis der• Sudetendeutschen Landsmannschaft". Er starb am 21. November 1964 in London. Von seinen Büchern sind zu nennen: Die agrarischen Fragen im VerhlJ.ltnis zum Socialismus. Mit einer Vorrede von Eduard Bernstein. Wien 1899;
doi:10.25364/28.8:1995.1.3 fatcat:z7xr5u65p5hwblxj5kmvbzp7l4