Transvesikale Operation von Vesico-Vaginalfisteln

R. Wenner
1963 Gynecologic and Obstetric Investigation  
Adresse des Autors: Prof. Dr. R. Wenner, Kantonsspital, Liestal (Schweiz) Meine Ausführungen beschränken sich auf die Vesico-Vaginalfisteln, die als Folge von abdominalen Totalexstirpationen des Uterus ent-standen sind, nicht bei erweiterten Karzinomoperationen. Diese Gruppe von Vaginalfisteln befindet sich regelmäßig zuoberst im Scheidengrund, meist in nächster Nähe der Uretermündungen, und die Vagina ist bei guter Technik der Operation stark hochgezogen und oft eng. In den meisten Büchern und
more » ... Atlanten der gynäkologischen Opera-tionen wird empfohlen, die Vesico-Vaginalfisteln, wenn immer mög-lich, vaginal anzugehen. Meine langjährige Zusammenarbeit mit Urologen, vor allem mit Prof. Suter, haben mich davon überzeugt, daß diese Fistelarten wesentlich leichter und sicherer transvesikal operiert werden. Ich konnte in den letzten 6 Jahren 3 Fälle beobachten, die fast identisch waren. Es handelte sich um Frauen von 58, 47 und 45 Jahren, die alle wegen Uterusmyom operiert worden waren. Bald nach der Operation war spontaner Urinabgang beobachtet und auch die Fistel diagnostiziert worden. Die behandelnden Gynäkologen wag-ten die vaginale Operation nicht und ebensowenig die transvesikale Operation, da sie urologisch keine genügende Erfahrung hatten. Alle 3 Fälle wurden gemeinsam mit dem Urologen und mit bestem Erfolg operiert. Folgende Punkte sind bei der Operation besonders zu beachten: Nach Längsschnitt der Bauchdecken ist die Blase durch das Cavum Rezii breit zu eröffnen. Durch ein Spreizspeculum ist die Blase übersichtlich einzustellen und es kann nützlich sein, wie Boemínghaus empfiehlt, sich die Fistel-gegend mittels eines vorher in die Vagina eingeführten kleinen Balles oder Ballons entgegenzuziehen und anzuspannen. 48 Wenner, Transvesikale Operation von Vesico-Vaginalfisteln Die Lage der Fistel ist, ebenso wie ihre Beziehungen zu den Uretermündungen und dem Ureterverlauf, genau zu prüfen. Ein-führen von Ureterenkathetern erleichtern das weitere Vorgehen. Die Fistelränder sind überall zu exzidieren, dann die Blase von der Vagina abzupräparieren. Bei diesem Präparieren wird oft ungewollt das Peritoneum er-öfi⅛et. Dieses ist sofort wieder zu verschließen. In einem Fall konnten wir die Fistel gleichzeitig retroperitoneal durch Abschieben der Blase vom Parietalperitoneum von hinten angehen wodurch die Nähte nach-her gegeneinander verschoben waren und nicht übereinander lagen. Naht der Vagina mit Catgutknopfnähten. Jetzt weiteres Abpräparieren der Blase von der Unterlage damit Gewebe freibekommen wird, um eine Zwischenschicht zwischen Blase und Vagina nähen zu können.
doi:10.1159/000303939 fatcat:4odharnvtngolbyg5dagvmf47a