Studien und Erfahrungen über das Pilocarpin in der Geburtshülfe

M. Sänger
1879 Archiv für Gynäkologie  
Nachdem es auf der letzten Naturforscherversammlung in Cassel trotz hufforderung und hnregung dazu seitens des Herrn Prof. P. Mfiller, sowie dutch reich selbst, zu keiner Discussion unter den anwesenden Fachleuten fiber die Frage yon dem Werthe und den Eigenschaften des Pilocarpinum muriaticum flit die Geburtshiilfe (und Gyn~kologie) gekommen war, haupts~chlieh wohl deshalb, weft Jenen keine umfs und neuen Beobachtungen zu Gebote standen, halte ieh es fiir angemessen, die yon mir an tier Hand
more » ... lcher mit dem erst kii~zlieh gefundenen Mittel an der hiesigen Klinik yon Professor C red~ gewonnenen Erfahrungen auch an dieser Ste]le zu verSffentlichen, um so mehr, als sich immer mehr die Ueberzeugung Bahn bricht, dass die sonst wenig reichhaltige, geburtshfilfliehe Pharmacodynamik in dem Pilocarpin tin aueh noch nach anderen als den bisher geprobten Richtungen bin ungemein sch~tzbares Pr~parat gewonnen babe. Jedenfalls verdient ein Mittel, fiir das K 1 e i n w ~ c h t e r, vorausgesetzt, dass sieh seine eebolischen Eigensehaften unbedingt zuverlKssig erwiesen, begeistert und ahnungsvoll dieselbe Bedeutung in Anspruch nimmt, wie fiir die Erfindung der Zange un4 ~6 S~nger, Studien und Erfahrungen ~iber das Piloearphl sen), und gefunden, class sic wenig beeinflusst werde, iibrigens ein Urtheil, welches durchaus nieht als abgeschlossen zu ge]ten braueht, da die Versuchsbedingungen so sehr verschieden sein kSnnen. Von weiteren Versuchen in dieser Riehtung machte unlgngst H o r w i t z in "der geburtshiilfliehen Section des allgemeinen Vereins St. Petersburger Aerzte" vorlgufige Mittheilung, ohne die Resultate selbst ngher anzugeben. Die histologische Verwandtsehaft (weniger freilich die functionelle) zwischen den auf Pilocarpin stgrker absondernden acinSsen Driisen und der Brustdrfise liisst wenigstens die Voraussetzung machen, dass es auch anf diese Einfluss ausiibe, wie es iiberhaupt auf alle seeretorischen Organe einzuwirken scheint. Seotti war es auch, der, ohne naheliegende praktische Schlfisse zu ziehen (Versueh bei gewissen AmenorrhSen), beobachfete, dass bei einer sonst regelm~ssig menstruirten Person im Verlaufe einer fortgesetzten Piloearpincur die Menses zwei Tage friiher eintraten. Diese leider noch vereinzelte Beobachtung ist eigentlieh die erste Notiz, we]ehe yon einer Einwirkung des Pilocarpins auf den Uterus meldet, und zwar naeh der einen Hauptrichtung der allgemeinen Wirkungsweise des Mittels, clef "einer Fluxion, in Folge arterieller Gefiisserschlaffung '~ (Bardenhewer, Seotti, Leyden u. s. w.).
doi:10.1007/bf01839502 fatcat:3a5qi2yjdvfelpypbhu2sugt5e