Theorien und Modelle des Gesundheitsverhaltens [chapter]

Sonia Lippke, Babette Renneberg
2006 Springer-Lehrbuch  
5.1 Furchtappelltheorien: Modell gesundheitlicher Überzeugungen und Theorie der Schutzmotivation -36 5.2 Theorie des geplanten Verhaltens und sozialkognitive Theorie -40 5.3 Von der Absicht zum Verhalten: Volitionale Modelle des Gesundheitsverhaltens -45 5.4 Stufenmodelle: Das transtheoretische Modell und allgemeine stadientheoretische Annahmen -47 5.5 Theoretische Integration und Lösungsansätze -55 Streng genommen sind Theorien und Modelle nicht das gleiche; die beiden Begriffe werden in
more » ... ffe werden in diesem Kapitel jedoch synonym verwendet (außer wenn es sich um feststehende Namen von Theorien und Modellen handelt). 5 36 Kapitel 5 · Theorien und Modelle des Gesundheitsverhaltens Beispiel I I Seit einigen Jahren ist auf jeder Zigarettenpackung etwas zu lesen wie »Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen« oder »Wer das Rauchen aufgibt, verringert das Risiko tödlicher Herzund Lungenerkrankungen«. Raucher sollen sich der Gefahr bewusst werden und ihr Verhalten ändern. Fast alle Raucher wissen um die Gefahren, aber es sind kaum Verhaltensänderungen im Tabakkonsum zu beobachten. Ist nun zu erwarten, dass die von den EU-Gesundheitsministern geplanten Bilder, die erschreckende Gesundheitsfolgen durch das Rauchen zeigen, mehr Effekte zeigen ( Abschn. 9.1)? Modell gesundheitlicher Überzeugungen Das Modell gesundheitlicher Überzeugungen ( »Health Belief Model«/HBM; Becker 1974; Rosenstock 1966; ⊡ Abb. 5.1) erklärt menschliches Handeln rational und stammt aus der Tradition der Erwartungswertmodelle. Das HBM war eins der ersten Modelle zur Erklärung von Gesundheits-und Risikoverhalten. Nach dem HBM erhöhen die wahrgenommene gesundheitliche Bedrohung und eine Kosten-Nutzen-Bilanz die Wahrscheinlichkeit einer Verhaltensänderung (⊡ Abb. 5.1). Dabei setzt sich die Bedrohung zusammen aus ▬ wahrgenommener Verwundbarkeit (»ich habe ein erhöhtes Risiko, eine Herz-oder Lungenerkrankung zu bekommen«) und ▬ Schweregrad (»so eine Herz-oder Lungenerkrankung ist tödlich«). Ferner wird die Bilanz gebildet aus ▬ Kosten (»wenn ich das Rauchen aufgebe, dann kostet mich das große Überwindung«) und ▬ Nutzen (»wenn ich aufhöre zu rauchen, dann verringere ich mein Risiko, an einer Herz-oder Lungenerkrankung langsam und schmerzhaft zu sterben«). Beide Faktoren können durch demographische Variablen (z. B. Geschlecht, Alter, sozioökonomischer Status) und psychologische Charakteristika (Persönlichkeit, Mitmenschen, Gruppendruck usw.) beeinflusst werden. Darüber werden auch die Gesundheitsmotivation (»ich bin beunruhigt wegen meines Gesundheitszustands«) und die Handlungsreize (z. B. der Rat des Arztes, eine nahe stehende Person, die eine nicht-42 Kapitel 5 · Theorien und Modelle des Gesundheitsverhaltens
doi:10.1007/978-3-540-47632-0_5 fatcat:yqj5eeydx5a6hbw3lruciz63gi