Migration und Sport: Überblick und Einblick in die Thematik "Sportverhalten der Schweizer Migrationsbevölkerung"

Yvonne Weigelt-Schlesinger, Karin Tschirren
2013
Migration hat einen Einfluss auf die Kinder-und Jugendhilfe. Im deutschsprachigen Raum ist zwar eine generelle Unterrepräsentanz von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den Hilfen zur Erziehung festzustellen. Gleichzeitig zeigen Diskussionen mit der Praxis, dass die Thematik Migration durchaus zu neuen Herausforderungen und Veränderungen beiträgt und ein Bedarf an neuen Erkenntnissen besteht. In den Jugendhilfeeinrichtungen gibt es Versuche, an der Kultur der Kinder und
more » ... ichen mit Migrationshintergrund anzuknüpfen und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden; allerdings bestehen bezüglich Konzepten und Handlungspraxen grosse Unsicherheiten. Aus Sicht der Praxis gelingt es oft nicht, befriedigend auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen einzugehen. Als besonders schwierig wird das Verhältnis zu den Eltern eingeschätzt. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in der Heimerziehung und Migranteneltern erleben sich vielfach gegenseitig als fremd und unverständlich. Die empirische Forschung über Jugendliche mit Migrationshintergrund in Jugendhilfeeinrichtungen ist trotz ihrer politischen und medialen Resonanz im deutschsprachigen Raum weitgehend marginal geblieben. In der Schweiz liegen keine zuverlässigen Angaben über die Zuweisung und Inanspruchnahme von Angeboten der Jugendhilfe durch ausländische Kinder und Jugendliche vor. Ebenso liegen noch kaum Studien vor zum Einfluss des Migrationshintergrunds auf die Handlungspraxen in Jugendhilfeeinrichtungen, zur Zusammenarbeit mit den Eltern oder zu Entwicklungsverläufen der Jugendlichen. Im Rahmen des Forschungsprojekts «Jugendliche mit Migrationshintergrund in stationären Jugendhilfeeinrichtungen» wurde ein mehrperspektivisches Forschungsdesign entwickelt, um sich dem Phänomen Migration bzw. Deutungs-und Handlungsmustern der Professionellen, der Jugendlichen mit Migrationshintergrund und deren Eltern anzunähern. Im Rahmen des Workshops werden ausgewählte Ergebnisse aus den unterschiedlichen Perspektiven vorgestellt und deren Implikationen für die Praxis diskutiert. Workshop 9 Migration und Sport: Überblick und Einblick in die Thematik «Sportverhalten der Schweizer Migrationsbevölkerung» Dr. Yvonne Weigelt, Lic. rer. soc. Karin Tschirren Sportlerinnen mit Migrationshintergrund wie Ana Maria Crnogorcevic (Fussball), Sara Abdullahu (Schwimmen) oder Mujinga Kambundji (Leichtathletik) betreiben von der Öffentlichkeit fast unbemerkt Hochleistungssport. Sie sind gute Beispiele dafür, dass die Partizipation von Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund z.B. am organisierten Sport gelingen kann. Ein genauerer Blick verdeutlicht jedoch, dass die in der Schweiz lebenden Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Schweizerinnen und Schweizern und im Vergleich zu Jungen und Männern mit Migrationshintergrund im Sport (vor allem im Vereinssport) weit weniger aktiv sind (Fischer et al. 2010). Aus gesellschaftlich-politischer Perspektive erhebt der organisierte Breitensport in Vereinen für sich jedoch den (ideellen) Anspruch, für alle da zu sein und einen Sport zu schaffen, der auf Offenheit und Toleranz basiert. Allerdings scheint dieser Anspruch der sozialen Öffnung der Sportvereine eine Mehrzahl der Frauen mit Migrationshintergrund nicht zu erreichen. Dieser Diskrepanz nachgehend, ist das Ziel des Workshops, einen Überblick über die Situation von Frauen mit Migrationshintergrund im Schweizer Sport zu geben. Dies wird anhand von Fallbeispielen und Interviewaussagen von Sportlerinnen mit Migrationshintergrund aus unterschiedlichen Sportsettings (Sportverein, Schwimmkursangebote von sozialen Trägern, Bewegungsangebote eines interkulturellen Frauenvereins) vermittelt und in Gruppenarbeit diskutiert. Zusätzlich wird die kritische Auseinandersetzung mit den politisch fast schon inflationär gebrauchten Begrifflichkeiten «Integration von Migrantinnen und Migranten in, im und durch den Sport» angeregt und hinterfragt. Workshop 10
doi:10.7892/boris.40517 fatcat:homtcuedprarzoqobmsginxftm