Gerade / krumm Zur Poetik des Scheidewegs in Schillers Wallenstein [chapter]

Viktor Konitzer
Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft (2015)  
So umfangreich und heterogen sich die neuere Forschung zu Friedrich Schillers dramatischer Wallenstein-Trilogie präsentieren mag, so einig ist sie sich doch in einem Punkt: Das Schauspiel behandelt das Thema von Wahl und Entscheidung; davon zeugt nicht nur eine Vielzahl von Aufsätzen, die das ›Entweder / Oder‹ mehr oder minder explizit im Titel tragen, sondern auch die Häufung apodiktischer Wendungen wie »Wallenstein ist das Drama der Entscheidungsfindung«¹ oder die Feststellung, es sei »the
more » ... ung, es sei »the agony of choice, seen as the dilemma of human life itself, that is [...] the central theme of Schiller's Wallenstein«.² Weniger Aufmerksamkeit erhält hingegen ein metaphorisches Feld, das Schillers Drama motivisch strukturiert und gerade für die Frage der Wahl von zentraler Bedeutung ist: der (Scheide-)Weg und seine divergenten Verläufe.³ Aus welcher begrifflichmotivischen Tradition heraus die Wegmetapher 1799 Einlass in Schillers Dichtung als »dramatische[s] Hauptwerk dieser Zeit«⁴ findet, ist endlich gänzlich unkommentiert; der folgende Aufsatz unternimmt es, diese Lücke zu schließen.
doi:10.1515/9783110416312-005 fatcat:lawqpq3ldjhk5gggkhrwaqp2wy