Chromatophoroma medullae spinalis

J. Koelichen
1916 Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie  
Vor kurzer Zeit noch war man der Meinung, dab die prim~ren melauotischen Tumoren (Chromatophorome) nur in der Haut, in den Schleim-h~uten und der Chorioidea vorkommen kSnnen, denn in diesen Geweben findet man im normalen Zustande Pigmentzellen. --Die Untersuchungen yon KSlliker, 0bersteiner und Stroebe haben erwiesen, dab die weichen Hirn-und Riickenmarksh~ute auch Pigmentzellen enthalten; zuletzt erst haben Obersteiner, KSlliker und Ribbert diese Zellen in der Adventitia der aus der Hirnhaut
more » ... aus der Hirnhaut in das Innere des Hirnes und Riiekenmarkes eindringenden Blutgef~Be festgestellt. Daraus folgt, daft die weichen H~ute ebenso wie das Nervensystem selbst Sitz der prim~ren melanotischen Tumoren sein kSnnen. Den ersten anatomisch untersuchten Fall einer solchen Geschwulst im Nervensystem gab Virchow im Jahre 1859. Dies war eine diffuse Infiltration mit Pigmentzellen der Hirn-und Riickenmarksh~ute. Sp~ter haben Sternberg, Stoerk und Pol identisehe Beobachtungen verSffentlicht. Im Hirne selbst hatteu Minelli und im Riickenmarke Hirschberg melanotische Tumoren beschrieben und noch zuletzt Esser in der Riickenmarkshaut. Die Zahl solcher Beobachtungen ist daher bis jetzt sehr sp~rlieh, und ein jeder neuer Fall verdient genau untersueht und beschrieben zu werden. --Im Laufe des Jahres 1908 und 1909 hatte ieh Gelegenheit, mit den Kollegen Sterling und Higier eineh Fall eines melanotischen Tumors im Cerviealmark klinisch zu beobachten, im AnschluB daran anatomisch zu untersuchen. In Kiirze folgt der klinische Verlauf der Krankheit und das Resultat der histopathologisehen Untersuchung. Der Kranke W. F., 25 Jahre alt, Schlosser, hatte in der Kindheit die Masern; geschlechtlichen Verkehr hat er nie getrieben; er trank nicht und stammte aus einer gesunden Famih'e. Die gegenw~rtige Krankheit begann im Jahre 1906 mit intensiven Schmerzen im Nacken, einer gewissen Behinderung im Urinieren und Stuh]verstopfung. Nach 2 Wochen seit Beginn der Krankheit wurden die Nacken-
doi:10.1007/bf02910655 fatcat:pg3miu5i3zfvtjo3avzzgytvfe