Die Systeme der Stichverzierung und des Linienornaments innerhalb der Bandkeramik

A. Schliz
1910 Praehistorische Zeitschrift  
Es sind jetzt nahezu zehn Jahre vergangen, seit ich eine der hervorragendsten Fundstätten neolithischer Keramik in wissenschaftliche Ausbeute genommen und die ersten Ergebnisse in einer Monographie: "Das steinzeitliche Dorf Grossgartach" mit zahlreichen Abbildungen niedergelegt habe. Die damals begonnenen Ausgrabungen haben seitdem in gleichmässiger, planmässiger Arbeit ihren Fortgang gehabt. Schritt um Schritt wurde der Boden dieses ausgedehnten prähistorischen Wohnplatzes untersucht und ganz
more » ... ntersucht und ganz zweifellos festgestellt, dass sich hier eine zusammenhängende, planmässig angelegte Niederlassung entfaltet hatte, welche mit ihrer Ausdehnung von 6 km und den hervorragenden, reich ausgestatteten Bauwesen ihres Mittelpunktes mehr den Namen einer neolithischen Stadt als eines Dorfes verdiente. Die reich mit feingeglättetem, teilweise bemaltem Wandverputz ausgestatteten Wohnungen erweckten jedoch nicht nur durch ihre durchdachte Inneneinteilung und die Art ihrer Gruppierung, welche ergab, dass jede Wohnparzelle mit Wohn-, Ackerwirtschaftsgebäude und meist auch einem Stall besetzt gegen das Nachbargehöft in regelmässigem Abstand abgegrenzt war, hervorragendes Interesse, sondern auch durch ihren Inhalt an Kulturrückŝ tänden. Unähnlich den sichtlich nur eine bestimmte Zeitperiode überdauernden Siedlungen der Rheinpfalz, dem typischen Durchgangsland der Völkerbewegungen durch alle prähistorische Epochen, zeichnet sich diese Niederlassung nicht nur durch den soliden, auf die Dauer berechneten Bau ihrer Wohnungen aus, sondern sie hat hier innerhalb derselben Bevölkerung einer Reihe verschiedener Kulturwellen Aufnahme gewährt und ist selbst wahrscheinlich der Ausgangspunkt einer solchen gewesen. Diese Kulturwellen prägen sich in erster Linie in dem Stil der Keramik aus, und die verschiedenen Stilwandlungen und Stilformen, die hier auf demselben Boden Platz gefunden haben, lassen hier besonders deutlich den Entwicklungsgang der verschiedenen Formen innerhalb der Bandkeramik erkennen. Jede neue Ausgrabung hat hier weiteres wichtiges Material und immer mehr Klarheit in das Gesamtbild gebracht, jede neue Entdeckung in den Nachbargebieten, namentlich in der Wetteraii, Heidelberg, Strassburg, den Lössgebieten Alt-Praebistorieche Zeitschrift H Hefte. 1910 g Brought to you by |
doi:10.1515/prhz.1910.2.2-3.105 fatcat:ppc7oscu7bgdha4brzveqfkwfu