Marcus S. Kleiner: Grundlagentexte zur sozialwissenschaftlichen Medienkritik

Stefan Hoffmann
2011
führt kenntnisreich in die unterschiedlichen medienkritischen Positionen und Traditionen ein, wenn auch teilweise weniger mehr gewesen wäre. Das zugrundeliegende Verständnis von Medienkritik ist die "Konzeption einer gesellschaftskritischen Medientheorie", in der "die sozialen Funktionen und Gebrauchsweisen von Medien" (S.49) thematisiert werden: Beginnend mit Ansätzen zu den Begriffen der Öffentlichkeit und der öffentlichen Meinung bietet das Theoriekapitel des Bandes schwerpunktmäßig
more » ... punktmäßig gesellschaftskritische und materialistische Medientheorien, fernsehkritische Positionen sowie medienkritische Texte der Cultural Studies. Sehr breiten Raum nehmen sodann vorwiegend aktuelle Texte über die "Institutionalisierung der Medienkritik" und zur Lage der Fernsehkritik in Deutschland ein. Abschließend wird die aktuelle kritische Medienforschung beleuchtet. Alles in allem ein wirklich empfehlenswertes Buch für Studenten, Lehrer und alle, die sich einen fundierten Überblick verschaffen wollen. Dennoch bleibt es nicht aus, dass eine im Grunde überaus verdienstvolle, umfangreiche Sammlung die eine oder andere Schwachstelle aufweist. Abgesehen davon, dass sich der Herausgeber ganz nonchalant selbst mit einem Text unter die Klassiker und Koryphäen mischt -ein Schritt, vor dem ihn die Lektorin offenkundig nicht deutlich genug gewarnt hat, genauso wenig, wie ihr die zahlreichen Rechtschreib-und Zeichensetzungsfehler aufgefallen sind -gibt es zwei schwerer wiegende Kritikpunkte: In einer Zusammenstellung, die den medienkritischen und in ihrem Selbstverständnis dezidiert multikulturellen Ansätzen der Cultural Studies einen so breiten Raum -immerhin über einhundert Seiten -einräumt, verwundert die hegemonial anmutende und nicht weiter erklärte Beschränkung auf deutschsprachige, britische und angloamerikanische Quellen einigermaßen. Natürlich mag es hier und da lizenzrechtliche Hindernisse geben, und wer auswählen will und muss, kann nicht alle Interessen berücksichtigen. Trotzdem vermisst man zum Beispiel die wichtigsten Stimmen der französischsprachigen medienkritischen Tradition. So hätte sich, um nur einen Namen zu nennen, der ehemalige Soziologieprofessor Jean Baudrillard mit seinem fulminanten Essay "Requiem für die Medien"
doi:10.17192/ep2011.1.293 fatcat:md5h74jebnfpbbbuer2zelz4sy