Flucht und Migration: Psychische Symptombelastung und Behandlungsoptionen [thesis]

Johanna Winkler, Universitätsbibliothek Der FU Berlin
2021
Migration und Fluchtbewegungen nehmen weltweit zu. Bei Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund werden von einigen Studien hohe psychische Krankheitsprävalenzen sowie höhere oder differierende Symptomausprägungen als bei Einheimischen beschrieben. Die Zusammenhänge zwischen soziodemographischen Faktoren und sozioökonomischen sowie psychosozialen Belastungen, kulturellem Hintergrund und psychischer Symptomatik, Erkrankung und Behandlung sind noch nicht ausreichend untersucht. Unsere
more » ... chungen sollen - bezogen auf diese Faktoren - zu einem besseren Verständnis von Unterschieden zwischen Menschen mit und ohne Migrations- und Fluchthintergrund beitragen. Methodik und Ergebnisse Diese Dissertation nimmt Bezug auf drei unterschiedliche Untersuchungen: In der ersten Studie untersuchten wir soziodemographische, diagnostische und behandlungsspezifische Unterschiede zwischen Patient*innen mit und ohne Migrationshintergrund in einer Psychiatrischen Institutsambulanz. Wir konnten erhebliche soziodemographische und klinische Unterschiede zwischen Patient*innen kulturell unterschiedlicher Herkunft belegen. In der zweiten Studie interviewten wir Betroffene in repräsentativ ausgewählten Wohneinrichtungen für Asylsuchende in Berlin mithilfe von Fragebögen, um ihre Wahrnehmung der aufenthaltsrechtlichen Situation, des Asylverfahrens, der Lebensbedingungen sowie der angebotenen Hilfs- und Integrationsmaßnahmen, ihre Wünsche und ihre psychischen Symptombelastungen zu erfassen. Wir konnten testpsychologisch bei 74,6% der Befragten eine krankheitswertige psychische Symptomatik bestätigen. Es bestanden signifikante Zusammenhänge zwischen Krankheitssymptomatik und sowohl Wohnsituation als auch Aufenthaltsstatus einerseits, und andererseits zwischen depressiver Symptomatik und Wahrnehmung des Asylverfahrens sowie bestehender Hilfs- und Integrationsangebote. In der dritten Untersuchung erhoben wir retrospektiv psychiatrische Diagnosen und die Häufigkeit der Behandlungstermine mit und ohne Einsatz eines professionell Dolmetschen [...]
doi:10.17169/refubium-29941 fatcat:4664yb7rivhqzjqxhdsqxhj2zy