BfR schlägt die Überprüfung des Grenzwertes der DIN-Norm für die Formalde-hydausgasung aus Holzspielzeug vor

Stellungnahme
2008 unpublished
Spielzeuge aus Holz, wie Holzpuzzle, sind oft aus Spanplatten oder Sperrholz hergestellt. In beiden Fällen dient als Bindemittel formaldehydhaltiger Kunstharz, der diesen Stoff kontinu-ierlich ausgast. Seit Jahren wird die Verwendung von Formaldehyd aufgrund seiner gesund-heitsschädlichen Eigenschaften kritisch betrachtet. Dabei stand neben seiner ausgeprägten Reizwirkung auf die Haut und Schleimhäute und seinem allergenen Potenzial vor allem der Verdacht auf eine krebserzeugende Wirkung im
more » ... ende Wirkung im Vordergrund. 2006 hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer toxikologischen Neubewertung Formaldehyd als Human-kanzerogen klassifiziert. Neue epidemiologische Ergebnisse belegen, dass der Stoff zu Krebs im Nasen-Rachenraum führen kann, wenn er in hohen Konzentrationen eingeatmet wird. Das BfR hat einen gesundheitlich unbedenklichen "safe level" für die Innenraumluftkon-zentration von 0,1 Milliliter Formaldehyd pro Kubikmeter (0,1 ppm) abgeleitet und damit den seit 1993 geltenden Grenzwert für die Freisetzung der Substanz aus Holzwerkstoffen der Chemikalien-Verbotsverordnung von 0,1 ppm bestätigt. Zur Beurteilung der Freisetzung von Formaldehyd aus Holzspielzeug stehen derzeit das analytische Verfahren gemäß der Che-mikalien-Verbotsverordung und ein neues Verfahren der DIN-Norm für Spielzeug bereit. Bei-de Untersuchungen beruhen auf der WKI-Flaschenmethode, unterscheiden sich jedoch hin-sichtlich Prüfdauer und Grenzwert. Bei den Überwachungsbehörden führt die Existenz der zwei Verfahren zu unterschiedlichen Bewertungen. Vor diesem Hintergrund hat das BfR bei-de Verfahren hinsichtlich ihres Schutzniveaus bewertet. Bei der WKI-Flaschenmethode wird das auf seinen Formaldehydanteil zu untersuchende Spielzeugteil in eine Flasche gehängt, auf deren Boden sich eine bestimmte Menge Wasser befindet. Der ausgasende Formaldehyd löst sich im Wasser, in dem er dann gemessen wird. Um den Vorgaben der Chemikalien-Verbotsverordnung zu entsprechen, darf Spielzeug nach 24-stündiger Prüfdauer bis zu 110 mg Formaldehyd je Kilogramm Spielzeug bzw. nach 5-stündiger Prüfdauer bis zu 30 mg/kg freisetzen. Bei der Umrechnung dieser Konzentrationen auf die Formaldehydkonzentration in der Innenraumluft werden die gültigen Anforderungen an die chemische Sicherheit gemäß Chemikalien-Verbotsverordnung eingehalten. Die DIN-Norm für Spielzeug toleriert dagegen die Abgabe von bis zu 80 mg Formaldehyd aus einem Kilogramm Spielzeug innerhalb von nur drei Stunden. Nicht bekannt ist jedoch, ob mit die-sem DIN-Wert ebenfalls der "save-level" eingehalten wird. Die Überwachungsbehörden ha-ben Spielzeug, das nach 24-stündiger Prüfdauer bewertet wurde, wesentlich häufiger bean-standet als solches, das nach der DIN-Norm geprüft wurde. Kinder könnten somit mögli-cherweise trotz Einhaltung des Grenzwertes der DIN-Spielzeugnorm Formaldehydkonzentra-tionen ausgesetzt sein, die den "safe level" überschreiten. Das BfR hat auf Basis der generellen Forderung, dass Spielzeug nur höchstens 10 % zur Belastung der Innenraumluft mit Formaldehyd beitragen sollte, sowie einiger konservativer Annahmen einen gesundheitlich unbedenklichen Wert für die Freisetzung von Formaldehyd aus Holzspielzeug abgeleitet. Dieser aus theoretischen Überlegungen abgeleitete Wert ist um ein Vielfaches geringer als der Grenzwert der Chemikalien-Verbotsverordnung. Da je-doch die in der Praxis gemessenen Innenraumluftkonzentrationen für Formaldehyd unterhalb des "safe level" liegen, sieht das BfR keinen dringenden Handlungsbedarf, diesen Grenzwert für Spielzeug zu senken. Da nicht bekannt ist, ob der in der DIN-Norm festgelegte Grenzwert den "safe level" einhält, schlägt das BfR eine systematische Überprüfung hinsichtlich dessen Einhaltung im Rahmen Seite 1 von 7
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