Den König loben? Positionen und Aufgaben der Dichter an den hellenistischen Königshöfen [chapter]

Gianpaolo [Hrsg.] Urso
2019
Der Dichter Herodas gestaltet seinen ersten Mimiambos als Gespräch zwi schen einer jungen Frau namens Metriche, möglicherweise einer (ehemali gen?) Hetäre, und einer älteren Frau namens Gyllis, einer Kupplerin1. Gyllis versucht, Metriches Situation auszunutzen, deren Ehemann oder Freund Mandris sich seit zehn Monaten in Ägypten befindet und noch nichts hat von sich hören lassen. Im Bemühen, die junge Frau zu einem Seitensprung mit dem Athleten Gryllos zu bewegen, legt Gyllis ihre
more » ... gie so an, dass sie in acht von 90 Versen die Vorzüge Ägyptens preist, denen Mandris offenkundig erlegen ist. Dies geschieht mit Stichworten zu verschiedenen Le bensbereichen: 8' early oIko? Trjs-0eoi)' Ta yap TravTa, / öaa' ecm kok Kai ylveT', cot ev AiyÜTTTcor /ttXoütos1, iraXalcrrpT), 8uvapi[?], eü8ir|, 8o£a, / öeai, 4>iX6ctoc|)oi, XpvaLov, veT)viaKoi, / 0ewv ä8eA4>üiv Tepevos1, 6 ßaaiXeus' xPrlCTTds'> / Nouafjiov, olvos-, äya0a TTavT' 6a' äv xpfßCnG / ywaiice?, ököctous-ou pa Tjv "AiSeco Kouprjv / ägTepas eveyKeiv oüpavjo]? K€KauxT|Tai2. Die Forschung geht davon aus, dass die Szene auf Kos spielt, von wo der Dichter vermutlich stammt, so dass eine Außensicht auf Ägypten suggeriert wird. Da keine externen biographischen Informationen über Herodas vor igen, kann man ihn nur durch Anspielungen in seinen Werken in die Zeit yon Ptolemaios II. datieren. Der Hinweis auf das nach 272/71 v.Chr. entstan dene Heiligtum der 0eoi ' A8eX(f>oL präzisiert die Datierung, wobei eine Ent stehungszeit unter Ptolemaios III. nicht auszuschließen ist. Herodas scheint ein Zeitgenosse von Theokrit, Kallimachos und Poseidippos gewesen zu sein, 1 Oie dort vorgenommene, fast ausschließliche Konzentration auf die englischsprachige Forschung min dert den Wert d es Buches erheblich. Für die Korrektur des Textes danke ich Lisa Hartmann (Augsburg). 2 Herodas, Mimiambos 1,26-33: "Dort aber ist der Göttin Heim; denn alles, was irgend auf der Erde ist und wird, ist in Ägypten: Reichtum, Ringschulen, Macht, heiterer Himmel, Ruhm, Shows, Phi losophen, Geld, junge Männer, der Geschwistergötter Heiligtum, der brave König, das Museion, Wein ~ kurz, alles Gute, was man nur wünschen mag, und Frauen erst, so viel, dass selbst der Himmel -bei der Hadesbraut! -so vieler Sterne sich nicht rühmen kann." Originalveröffentlichung in: Gianpaolo Urso (Hrsg.), Dicere laudes. Elogio, comunicazione, creazione del consenso. Atti del convegno internazionale, Cividale del Friuli, 23 -25 settembre 2010 (I convegni della Fondazione Niccolò
doi:10.11588/propylaeumdok.00004250 fatcat:7repnikohfadvca3olugfdaf5e