Soziale Interpretation einer Doppelkloake aus Lüneburg. Versuch einer Modellentwicklung

Ellin Boysen, Mitteilungen Der Deutschen Gesellschaft Für Archäologie Des Mittelalters Und Der Neuzeit
2014
77 Der Versuch, archäologische Befunde und Funde in einen sozialen Kontext zu setzen, wird zu Recht kritisch gesehen. Bis jetzt gibt es nur eine wissenschaftliche Arbeit, die versucht, Fundmaterial aus Kloaken systematisch unter dem Gesichtspunkt der Wertigkeit zu klassifizieren, es einem sozialen Kontext zu zuweisen und mit anderen Fundplätzen zu vergleichen. 1 Diese Arbeit fußt auf den Überlegungen von Falk und Hammel, welche versuchten, Lübecker Befunde und Funde in einen sozialen Kontext
more » ... sozialen Kontext einzureihen. 2 Trotz aller Kritik ist es unter bestimmten Voraussetzungen möglich, auf Grund von Annahmen eine Hypothese zu entwickeln, die es in der Zukunft ermöglichen kann, eine solche Zuweisung auch für weitere Befunde und Funde durchzuführen. Bei aller nötigen quellen kritischen Vorsicht können Befunde und Funde herangezogen werden, um Annahmen über das Verhalten von unterschiedlichen sozialen Schichten zu prüfen und statistisch abzubilden. Mein vorrangiges Ziel bestand in der Entwicklung eines an meine Hypothese angepassten Modells durch statistische Auswertung von Funden aus drei Lüneburger Kloaken. Andere Wissenschaftler können sich dazu angeregt sehen, mit diesem Modell zu arbeiten, es womöglich zu verbessern und zu einer Theorie auszubauen. Als Grundlage diente eine Arbeit von Kühlborn, der eine Kloake auf der Parzelle Große Bäckerstraße 26 (Kloake 4, Abb. 1) untersuchte, die sich sowohl topographisch als auch von der Funddatierung her der Parzelle der Lüneburger Patrizierfamilie von Dassel zuweisen lässt. 3 Im Rahmen meiner Magisterarbeit 4 bearbeitete ich eine Doppelkloake der Parzelle Bei der St. Johanniskirche 19 (Kloake 1 und 2, Abb. 2, 3 und 4). Die in dieser Arbeit vorgenommene soziale Auswertung des Fundmaterials orientiert sich an Kühlborn. 5 Entsprechend wurden die einzelnen Gegenstände aus Keramik und Glas in Qualitätsstufen eingeteilt, um in einem zweiten Schritt die Ergebnisse der Doppelkloake mit denen der von Kühlborn bearbeiteten Kloake zu vergleichen. Zudem stellte ich weitere Kriterien auf, um Unterschiede innerhalb der drei Kloaken herausarbeiten zu können. Hierzu gehören der Vergleich von Importwaren, die anteilige Zusammensetzung des Gesamtmaterials (Keramik, Glas, Holz, Knochenartefakte und Metall) und der Versuch der Errechnung einer durchschnittlichen Wegwerfmenge Soziale Interpretation einer Doppelkloake aus Lüneburg Versuch einer Modellentwicklung Ellin Boysen 1
doi:10.11588/dgamn.2013.1.17088 fatcat:ryohtv7dnrctjmuwod6y33fn6m