Ueber die Cotorinden und ihre charakteristischen Bestandtheile

Jul. Jobst, O. Hesse
1879 Justus Liebig s Annalen der Chemie  
Emgelraten den B: Juni 187%) Der Eine von uns erhielt im Friihjahre if373 von einem Londoner Importhause eine Probe einer aus Bolivien stammenden Rinde zugesandt, welche China Cot0 genannt wurde, indefs durcbaus keine Aehnlichkeit mit den echteii Chinarinden besafs. Etwa ein Jahr spiiter erhielt Prof. W i t t s t e i n die gleiche Rinde von dem Handlungshause R. Mar t e n s in Hamburg mit dem Bemerken, dafs dieselbe in der sogenannten Yissiones im Innern Boliviens gesammelt werde, wo auch die
more » ... erde, wo auch die echte Chinarinde gewonaen wird, und dafs sie innerlich als Pulver oder in alkoholischem AMeuge gegen Diarrhae usd Bolik, auch gegen neuralgische Zahnschmerzen, lufserlich als Tinctur gegen Rheumatismus und Gicht empfohlen werde. Nach Mar tens stamnit diese Rinde von einer Cinchone. Diese Angabe diirfte darauf ruriickzufiihren sein, dab die fragliche Rinde urspriingliah China Coto genannt wurde. W i t ts t e i n ist der Meinung, dafs mehrere Eigenschaften dieser Rinde weit eher auf eine Laurinee oder Terebinthiiiacee, als auf eine Rubiacee hinweisen. Der Name &to-Rinde oder Coto-Cot0 wird librigens auch in Brasilien angetroffen md bezeichnet dort thatshchlich die Rinde einer Rubiacee, der Palicnrea densiflora (El a r t i us), Ob jedoch diese Pflanze unsere Cotorinde oder eiiie damit verwandb Rinde liefert, dss ist uns unbekannt. Urnrere Cotorinde nun, welcbe w i~ zum Untmchiede von einer sptiter im Handel gangbaren Cotorinde "echte Cotorinde' Amden dar Ohemla 100. Bd. 2 nennen woilen , worda TOD C. H I r t z *':I enatoi:iisch nfiher uritersucht, deosen Angaben wir in d.jr !lauptsdw 1)astbligcn. kbnnen. Die Lezilgbches Diffcrenzen JQxftrn dadurch hedingt szjn, dafs wir diese t3inde enhaltend iiiid sichcrlich ii! grXicrer Menge t:cobe:hten korinten, I& Fro!. I1 3 r t z. Wir g!ruben d d m , dufs die folgende Ileschibung der Rinde am besier? der Sacbe entepredien werde. Die cchteColurinde bcstelit sua Sis zu OIR M. langen, zum "hail unre~elmifsig getrochenen, nacherr, ScliwSCh gtw clblen SIiicken, w-elcha his LU 60 MM. brdil uiid 6 his 14 MI. dick sink Di6 Farbe der Hiade ist r6th:ic;h-ziinmtbrailn, auf der innerail Soite meist etwrs donkler. Auf dcr iiurserm Spite fdilt in der Regel die Borke , nulche enscbeinend rbsichtlich cntfurnt wurde; nur sellen Andan rich einige Rodirnenta drvon vor. Der Ceruch d!?r Hiirde irl anfaqlich angenehm, etwos m i Zimml arinuernd ; dersellie entwiokrlt sicli n m m tlich beim ZerhIeinern der Rinde und veriirrrchf schliefslich beniges Niefseri. Dcr Ocwhmrck ist bsihcnd, nicbt bitter, noch schleiniig oder rerlringirend. Die fragliche Riride besitzt derert eine uiigleiclrc Beschafhcheit in der Textiir, dafs, als zu iiufsserst, eint: kornige, ziernlirh ebcn brcchende Bfasse anliegt A n eine grotfnserige, aplittsrig unt; unebeii brechende Zrllcnparlie, wdchc: (iic lnncnrlnde a~-. mac1:t. 1-1 a r t e fand, d a b die Memhraaen sllrr Zellen, iriit Assnrhme der Scleronchym-urid Ila;!zrllen, diirch Jodclriorzink, eowie durch Jod und Schwefelsaure geblaut werden und demnach aus miner Cellu!o.ce begtehen. Sie smd nach ihm alle dilnnwandig und enthalten inehr oder weniger braun gefirbfe Substmzen, welche zur Classe der Phlokphene gehiiren und Jaher durch Aminoniak oder Kelilauge entfemt werdrn kbnnen. --3 M i v ftir Phormclcie [3] 1, 214 (1875). und i'hrc dcrakteriletischen Besiandtheiie. t9 Die Sclerenchym-und Bastzellen dagegen sind goklgelb gefiirbt und werden nach monate1a:igem Eintauchen in JPdoder RosanilinlBsung und sofortigem Auswaschen rnit Glycetin nicht gefarbl. Sie sind meist englumig and enthalten aufsdr Plasma keine geformtan Bestendlheilp. Ihre Memhrwien sind, wie I1 B r t z anfiihrt, fehr deutlich aus zahlreichen concentrischen Schichten xusamniengesetzt, von vielen Porenkanalen durchbrochen, verholzt, sehr hart und werden ohne besondere vorangegangene Behandlung durch Jodchlorzink oder durch Jod und SchwefclsBure nicht gebliiul. Aufsen-und lnncnrinde enthalten in den nicht verdickten Parerrchymzellen kleine Mengsn eines eisengriinenden Gerbstnffs, der urspriinglich nur im gelijsten Zustande vorhanden sein konnte. Derselbe findet sich gleichzeitig rnit Phlubaphenen vor. Br ist in den Zellen, welche reicber an Phlobaphenen sind, in griilberer Menge als in dcnjenigen, welche weniger von letzterem enthalten. StgrkemehL ist in geringer Menge fast in allen Parenchymzelles enthalten ; die Starkemehlkher sind einfach odcr ha~bzuss~nmengesetrt , klein gewiihniicli in griifserer Zahl innerhalb einer Zelle. Aufser dem Aniylurn rand H a r t z in den gleichen Zellenformen grofse, oft ganze Zellen uusfiillende Tropfcn oder tnigartige Kfirner cines aus Harzen iind iitherischen Oelen bestehenden farblown oder schwacli gidblich gefiirbten Gemenges, welches durcli Aether extrahirbar war, nach dem Verdunsten des Aethers dickfldssiy erschien und nicht selten zu farblosen, campherartig aussehrnden prismntischcn Nadeln yon durchdringendern carnpherartigen Gerueh erstarrte. Die in den Zellen eingcschlosseneo und mit dem Nnmen Fettkugeln bezeichneten Partikelchen zeigen haufi eine concentrische Schichtung und im Innern einei: Kern. Die chemische Untersucbung, welche W i t t s t e i n *) nach *) Arohiv PUx Phrrrnacie [3] 0 , 219. 2 0 20 seiner "Anleitun% zur chemischen Analyse ron Pflanzen und Bflanzentheilen auf ihre organischen 8estendtheileu ausfubrte, ergab ein dtherisches Oel, das biafsgelb gefirbt nnd loichter als Wasser war, sowie einen beifsend pfefferartigen sromatixhen Geschmack besafs, cin llihhtiges, an 'Minethylaoiin erinnerndes Alkaloid, ein gelbfiraunes Weichharz und ein dunkelbraunes Harlharz, kmer Stiirkernchl , Guntmi, Znzkm, Oxsisaure Cals Kaiksaiz) , eisengriinendc Gerbslure, Ameisen-, Essigirnd Butterslure. Der Eine *) yon uns fand in der fraglichen Hinde einen hiibsch krystallisirenden K6rper, das &toin, nuf, welcher Substanz wir im weiteren Verhufe der Uniersuchung noch zwei andrre krystallisirbare Stoffe, dss Dicotoin und die Piperonylsgore, ats Bestaridtheile dieser Rinde anreihen konnterr. Was die therapeutischen Wirknngen dieser Rinde anbetrim, so niachte dariiber Dr. v. G i e t 1 *+) iufserst schiitzenswerthe Reobachtungen. In seirien Versuchen verwandte v. G i e t 1 Zuni Theil das Pulver der Rinde, zum Theil eine weingeistige Tinctur drrselben. Die: Anwendung dieser Prapsrate geschah in 16 Fillen von Dierrboe, von denen 15 geheilt wurden. Dic bezfig1icht.n chemiscben Eigenschiiften des Cutoins legten die Verniuthung nahe, dafs diese Substanz der TrPger dteser Wirkung sei, was in der Folge durch directe Versuche auch bestPtigt wurde. Wihrend wir mit der Unlersuchnug dieser Rinde beschiiftigt wmen , kam eine andere Cotorinde -> auf den Markt, weiche mit der obigen Rinde grofse Aehlichkeit herte. So vie1 uns bekonnt wurde, wird diese Rinde an den Ufern des Jo b s c u. l i e s ~e , uber Liac C'otmh?en *) Jul. Jobet, neaei Hepertorium fttr Pharmeoio a6, 23 (1876). **) h c h i v fiir Phumacie [a] V, 221. I**) J n l . J o b s t , Beriohte dor dontschen chemiechen aeeallschaft 8, 1533 (lQ76). *) Berichte der deatschrn chsmischen aesellect~lrtt 10, 249 (1877). nang hiagebcn, &iEi yon &?iteR der Aerate nrit Wnigt!r YO?urtheii und Eefmgeril:eii mi die ibri~putisciie PrBhing &:T wiehtigstw Cotokorper iiersngjetretsn werde, rls bisf!ep im A!lgerneinen yeuchak. QotoZ7h Zar Darstdlung defzalben wird die gr6tlict: gepuhris e d t e Cct&rJe in! Yordriingungsr!pparate mit %a:lem Aether extrrrhirt, dar A h e r zim grafseren Theil mifeint and der. nocb wame R3ckvtarrd mit warrum PskdenmZther vermisoht.. Die Menge dcs eugesetzten Petrallthers richtet sich n~clr dcr Yenge des ROC^ vorhendenen Acthylathers. Bei richtiger Mischung srheide; sich heini Erkakteii dersrtibes. einc reishlicho Menge eincr sehwarzbraunen ciligharzigeii BIRSS~ ab. Hiered wird die LBsung, sachdrm sia sich vollkornotcii qek!trt hat, in eine euche Scha!o abgegusscn u d dor freiviiligrtn Verdnn-Ftang Bberlassen. Fsst in deinseiben Mnfse 81s der Acbhcr wrdanipf? erfolgt dic Kr ysta!iiaation dcs Colciiia, welchee sich in achwefelgdben groFssen Xrysiallcn ahschelbet. Eiri p f s e r Thoi! des Cotoins geht iibrigecs in die oben envEhnCe 6lipharzig.c Messe 85t.r. Diest: wird mi: Wesser und etwas Kslk g(:kocF,L und die norh hvifse, kiure, braunyalb gefarbte Lbsting nril bigellwe oder Sdzsaure fbersiitigt , w obci eine rdthiicliweifse rnilchige Triibuiig der Lhung srfolgt. Im Verlaufe ron etsvil '24 Stunden ha: sich dic? Liisung geliliirt und es haben sich dann grofse gliinzcnde gelbliche Krpstsll hliitter VOI! oft mehreren Centimetern Liiiige gebadel, auf denm sich blafsgelh Nadeln bald einzeln , bald nesterweise ahgcschieddcn halren. Beiderlci Kryslellformen gel!firen ein und derselben Bubstanz, dem Cotnin, UR. Hat man nun das Rohprodmt in der einen oder anderen Weise gewonnen, so wird es nur noch zur vtilli~en Reinigung aus kochendeai Wusser unter Zusatz von etwas Thierkohle ein
doi:10.1002/jlac.18791990103 fatcat:akj7jeisvbcsnaj3j6jxic3xqq