Portrait des fernen Freundes. Die Briefe von Léopold Jacottet an Gaston Paris

Richard Trachsler
2011
Die Romanistik hat in Göttingen Tradition, wie eine Gedenktafel an der Paulinerstraße 4 verbürgt, aus der hervorgeht, dass dort im Jahr 1857 der junge Gaston Paris (1839-1903) gewohnt hat. 1 So ist es vielleicht nicht ganz unangebracht, wenn hier versucht werden soll, zunächst noch einmal an jene Anfänge zurückzukehren und die Beziehungen des jungen Franzosen in Deutschland mit Léopold Jacottet, einem Theologie-Studenten aus dem schweizerischen La Chaux-de-Fonds, zu betrachten. Die
more » ... n. Die Korrespondenz dieser damaligen «Erasmus»-Studenten eröffnet, vierzig Jahre später, als Gaston Paris in die Académie Française gewählt wird, auch die Gelegenheit, sich zu fragen, was wohl für den mittlerweile erfolgsgekrönten Académicien zählt und bleibt. Gaston Paris hat bekanntlich das akademische Jahr 1856-1857 in Bonn verbracht, wo er Friedrich Diez vorgestellt worden ist, und seine ersten Kontakte mit der deutschen Sprache, der deutschen Kultur und der deutschen Universität geknüpft hat. 2 Er wohnte damals in Untermiete bei einer Frau Schnabel in der Weberstraße, zusammen mit zwei Westschweizern, Léopold Jacottet und Alfred Cruchaud, mit denen sich der zukünftige Romanist gut verstand, deren kontinuierlicher Umgang aber dem Fortschritt seiner Deutschkenntnisse nicht eben förderlich war. 3 Im März 1857, nach sechs Monaten dans la maison de la bonne Mme Schnabel, 4 zieht er in eine weniger frankophone Unterkunft. Schon als 17-Jähriger kann er aber absehen, dass die paar Monate in Bonn in keiner Hinsicht ausreichen werden, ihm mehr als einen oberflächlichen Eindruck der deutschen Gegebenheiten zu vermitteln. So ver---------1
doi:10.5167/uzh-59123 fatcat:5zzr2fhufjfg7ogyk3mdyi2b3q