Die wiederholte Transfusion kleiner Mengen zitrierten Blutes

P. Schrumpf
1916 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
1)ie übliche Technik der Bluttransfusion ist bekanntlich folgende: 100-300 ccm Blut werden einem Spender durch Venenpunktion entnommen, defibriniert, filtriert, dann wieder auf Körpertemperatur erwärmt und dem Patienten in eine Vene infundiert. Dengegenüber haben besonders Chirurgen und Frauenärzte die direkte Transfusion empfohlen; bei dieser wird das Blut des Spenders aus dessen Arterie oder Vene durch ein Verbindungsrohr in die Vene des Empfängers geleitet, oder es wird die Radialis des
more » ... e Radialis des Spenders durchschnitten und ihr proxiniales Ende in die bloßgelegte und eingeschuitzte Vene des Empfängers geführt. Die erst beschriebene Methode der Infusion defibrinierten Blutes wird eher von Inteinisten angewandt, und zwar meist in Fällen von perniziöser Anämie. Sie erfordert viel Uebung, Apparatur und Zeit; auch ist das infundieren größerer Blutmengen in die dünnwandige, enge und oft kollabierte Vene des schwer anämischen Patienten auch für die Geübten oft recht schwierig. So ist die ganze Prozedur kaum in der allgemeinen resp. Prívatpraxis auszuführen und daher klinischen Abteilungen vorbehalten geblieben. Die direkte Transfusion mittels Apparats hat sich in Deutschland nicht eingebiirgert, wohl da das Verbindungsstück sich zu leicht durch Gerinnsel verstopft. Die rein chirurgische Transfusion durch arterio-venöse Anastomose (Spender-Empfänger), wie sie zuerst Carell u. a. angaben und neuerdings wieder S a u e r bruch empfiehlt, ist eine für den Spender recht eingreifende Prozedur, die jedem Internisten widerstreben muß und wohl für ganz schwere Fälle akuter Verblutung reserviert bleiben wird. Die Ansichten über den therapeutischen Wert dieser "großen" Transfusionen gehen auseinander. Bei akuten Verblutungen, bei gutartigen sekundären Anämien leisten sie oft Erstaunliches. Bei perniziösen Anämien versagen sie oft. Doch ist hierbei nicht zu vergessçn, daß die in Krankenhäuser ein. gelieferten perniziösen Anämien sehr oft schon weit vorgeschritten sind und daß für die Therapie überhaupt günstigere Chancen bietende Frühfälle selten aufgenommen werden, sodaß die Transfusion meist an bereits hoffnungslosen Fällen vorgenommen wird. Bei jeder Transfusion riskiert man, wenn auch relativ selten, das Auftreten gewisser Nebenerscheinungen beim Empfänger, Schüttelfrost, Fieber, Erbrechen etc., die zwar selten gefährlich, doch aber für Patienten und Arzt recht unangenehm sind. Diese vermeidet man zum Teil dadurch, daß man das Blut möglichst einem Blutsverwandten des Patienten abnimmt und indem man vor der Transfusion die Blute des Spenders und Patienten auf eventuelle Agglutination und Hämolyse prüft. Doch manche Transfusionsreaktjonen scheinen weder auf Agglutination noch auf Hämolyse zurückzuführen zu sein, worauf mehrere amerikanische Autoren aufmerksam gemacht haben, so Percy, Otte nberg, Lindemann, Levisohn u. a. In diesen Fällen ist es unmöglich, im Voraus diese "incompatibility" eines Blutes nachzuweisen. Wodurch da die Reaktion bedingt ist, läßt sich noch nicht entscheiden.. Zu denken wäre an eine Störung des Trypsin-Antitrypsin-Gleichgewichts (Jobling und Petersen) beim Empfänger oder an eine Schädigung seines Zellschutzkolloids (Zinseer und Young). Denkbar ist es auch, daß in dem Blut des Spenders bei den Manipniatioaen der Transfusion toxisehe Produkte entstehen ev. durch beginnende Germ-70 4. Mai 1916. DEUTSORE MEDIZINISOJIE WOCkLENSOHRIFT. Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0028-1135116 fatcat:7qzg7gxqwjcspnua5vdb2orhdy