Heimat. Erde. Migration

Naika Foroutan
2019 Kursbuch  
Ich höre im Moment viel deutschen Rap. Das soll nicht heißen, dass ich besonders cool bin, Deutschrap dominiert einfach 80 Prozent der deutschen Charts. Und ich habe Söhne, und für die zieht sich die Ver handlung von Heimat und Identität durch diese Songs. Meine Tochter hört lieber englische Hits. An den Liedern des Rap kann man die Kon junkturen der Heimatverhandlung ablesen. Viele Heimaten gibt es darin, manche recht trostlos. Man wundert sich, was alles besungen werden kann: Rüsselsheim
more » ... ), das Märkische Viertel (Sido) -und Eko Fresh rappte 2014: »Wo komm ich her?«, und traf mit seiner KinderLine ins Herz der aktuellen Debatten: »Ich bin hier aufgewachsen, ich bin ein Teil von euch. Kannst du mir mal sagen, warum sich hier keiner freut?!« Nicht mehr nur Hinnahme und ein »Akzeptiert doch endlich, dass wir hier sind« ist hier gefragt -nein, hier wird schon der nächste Aushand lungsschritt eingeleitet: Es geht um Affirmation. Ein klares Ja. Warum freut man sich nicht darüber, dass diese Kinder ein Teil des Ganzen geworden sind?! Anklagen, Aneignung, ultimative Sprachkunst und Ba nalität vermischen sich in dieser zeitdiagnostischen Poesie des Rap. Hei mat ist auch in anderen Zirkeln als im Heimatministerium ein Thema. Und die Vorstellungen von dem, was Deutschland ist, berühren sich zum Teil nicht mehr. Sie deuten zwar den gleichen Raum aus -Deutschland -, aber sie beziehen sich nicht auf dieselben Geschichten und Gefühle in diesem Land. Heimat ist für jeden etwas anderes. Doch irgendwie glau
doi:10.5771/0023-5652-2019-198-113 fatcat:sm3mjjqrrfei3b7zwdqdclvc3i