Muskeldystrophie und dementia praecox. Ein beitrag zur erblichkeitsforschung

Rüdiger Tscherning
1921 Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie  
Dutch die Arbeiten neuerer Forscher (Rfidin, Hoffmann u. a.) ist die Erblichkeitsforschung in der Psychiatrie in ein neues Stadium getreten. Ffir die psychiatrische Praxis allerdings mugten die Erfolge auf diesen Gebiete so lange bescheidene bleiben, als es an einer einheitlichen Auffassung d a r fi ber fehlte, was bei Erhebung der Vorgeschichte zur Heredit~t zu rechnen sei und was nicht. Bisher ist dieser Begriff viel zu eng gehandhabt wordcn. Die erbliche Grundlage einer Erkrankung wurde
more » ... ehnt, wenn ~hnliche Krankheitsbilder in der Verwandtschaft nicht nachgewiesen werden konnten. Erst seit wir mehr Nachdruck darauf legen, die charakterologischen Ziige der Psychosen und vor allem auch die pri~psychotische Pers6nlichkeit n~ther zu betrachten und diese dem Gesamtkrankheitsbild einzuordnen, sind wit in der Lage, unter Weiterfassung des Begriffes "pri~psychotisch" und dessen Ausdehnung auf die Charaktereigenschaften der Vorfahren eine fruchtbringende Herediti~tsforschung zu betreiben. Dicser heredit~ren Strukturanalyse erwachsen aber aui~erdem aus der heutigen Systematik der Geisteskrankheiten noch groi~e Schwierigkeiten. Die ganzen psychischen Verhi~ltnisse sind so mimosenhaft zart, so filigranartig fein verwoben, dab wir heute nur die gr6bsten Gesamtbilder zu erfassen verm6gen. Eine der Methoden, um welter zu kommen, ist das Aufsuchen uns leichter zug~nglicher gr6berer Beispiele der allgemeinen Krankheitslehre und der nachfolgende Vergleich der sich hierbei ergebenden Hereditg~tsgesetze mit denen vererblicher psyehischer Erkrankungen. Unsere Blicke wenden sich da yon selbst auf die herediti~ren neuround myopathischen Krankheiten, deren gr6bersomatische Verhi~ltnisse unserer Forschung und Diagnose leichter zugi~nglich sind.
doi:10.1007/bf02901296 fatcat:66wtbr2hyzeefmvztleasdrvku