Die Jagd des Einhorns in Wort und Bild

Franz Kuntze
1907 Archiv für Kulturgeschichte  
hängen drei Gemälde, die, wenn auch im ganzen von bescheidenem Kunstwert, doch in kunst-und literargeschichtlicher Hinsicht bedeutsam sind. Es sind sogenannte Einhornbilder, d. h. Darstellungen der Verkündigung und Menschwerdung, wobei Christus durch das Einhorn verkörpert ist, während der Engel Gabriel in der Maske des Jägers auftritt. Dieser hält an der Leine vier Hunde, die das Einhorn verfolgen, welches sich in den Schoß der Maria flüchtet. Sie sitzt in dem hortus conclusus (Hohelied 4,12)
more » ... eben der porta clausa (Ezechiel 44,1 ff.) und umfaßt schützend und liebkosend das Horn des gejagten Tieres. Der Jäger stößt in das Horn, aus dem ein Spruchband mit dem himmlischen Gruß hervorquillt. Oben in den Wolken Gott Vater, während die verschiedenen Attribute der Maria, das Fell Gideons, die urna aurea mit dem Manna (Exod. 16,14), der fons signatus (Hohelied 4,12), die Rute Aarons (Numeri 17), der elfenbeinerne Turm (Hohelied 7,4) oder der Turm Davids (Hohel. 4, 4), der puteus aquarum viventium (Hohel. 4,15) usw. mit mehr oder minder großer Vollständigkeit über die Fläche der Gemälde verteilt sind. Dazu noch einzelne auf die Maria bezügliche Sprüche, wie sicut lilium inter spinas (Hohelied 2, 2) oder veni, auster, perfla ortum et fluant aromata (Hohelied 4,16). Die Bilder stammen aus verschiedenen Zeiten und sind von sehr verschiedenem Wert, weichen auch in der Ausführung voneinander ab. Das größte von ihnen, das Mittelstück eines dreiflügligen Altarbildes, das sich dem Beschauer, wenn er den ersten Absatz Archiv für Kulturgeschichte. V. 18 Brought to you by |
doi:10.7788/akg-1907-0301 fatcat:zzglf5n7jjgaxd3dydnvo5wgyy