Zur Kenntnis des Kalkstickstoffs

N. Caro
1910 Angewandte Chemie  
Heft 51. 23. Dezember M O ] Analysen von Ferrisilicatkolloiden an. Das Gel schied eich im Laufe von uber 3 Jahren allmiihlich aua dem Sol aus, das durch Vermimhen von 1 Mot. FeCls + 1 Mol. N+SiOs, beide in 0,l Mol. Lkung, entstanden war. Sol : 0,34% SiO,; O, %% Fe : 0,83% Na : I,&&% CI Gel : 7,92y0 SiO,; 3,60% Fe; 1,12y0 Na; 1,88% CI oder in Molen: Sol : 1,oooO SiO,; 0,7411 Fe; 0,6479 Na; 0,8280 CI Gel : 1,oooO SiO,; 0,4911 Fe; 0,3722 Na; 0,4041 c1 Es bliebe noch vie1 zu sagen, doch begnuge ich
more » ... n, doch begnuge ich mich mit dieser Auswahl. Ich glaube, Ihnen gezeigt zu haben, daB man bei diesen Systemen, die typische anorganische Kolloide sind, durch einfache priiparative und analytische c h e m i s c h e Untersuchungen zu einer recht erfreulichen KliG rung gelangt und Gesichtspunkte gewinnt, die ich wenigstens aus den physikalischen Hypothesen nicht habe entnehmen konnen, die aber aiis der chemischen Experimentaluntersuchung von selbst erwachsen sind. Ich habe dabei frurhtbare Arbeitahypothesen gefunden, gerade da, wo sie die herrschenden Anschauungen nicht geben konnten. D i e a gilt in erster Linie von den untersuchten Fallen, und es fallt mir nicht ein, zu meinen, nun sei die Kolloidchemie erledigt! Im Gegenteil, sie fiingt eben erst an! Aber immerhin glaube ich doch, den AnalogieschluB ziehen zu konnen: Wenn bei diesen typischen anorganisohen Kolloiden, die sich anerkanntermaDen in nichts Wesentlichem von den organischen Systemen unterscheiden, den Erscheinungen solche chemischen Umsetzungen zugrunde liegen, so ist es gestattet, sie auch bei den anderen zu vermuten. Nunmehr darf meinea Eraohtens niemand mehr der Forderung ausweichen, wenn er bei irgendwelchen Kollbiden chemische Vorgiinge leugnet, seine Meinung zu beweisen. Es genugt da aber nicht, eine oberfliichliche qualitative Priifung an ungeniigenden Mengen, sondern es mu0 quantitative Arbeit verlangt werden. Ausscheiden miissen dabei dlerdinga alle die Falle, bei denen eine solche Priifung naoh dem Stande unserer heutigen Kenntnisse und Experimentierkunst noch unmoglich ist, wie bei mhlreichen organischen, namentlich physiologischen Systemen. Dime Notwendigkeit genauer Priifung begriise ich von meinem chemischen Standpunkt aus ganz besonders! Denn unleugbar steht die anorganieoh-priiparative und damit auch die analytische Chemie, die ja doch in der Hauptsache eine sehr feine priiparative Tiitigkeit erfordert, nicht mehr auf der Hohe, die sie vor einem Menschenalter einnahm. Die Vorliebe fur physikalische Forschung hat die Pflege der priiparativen Kunst zu sehr zuruckgedrangt, und man muD aufs energischste eine neue Belebung derselben fordern. Die Kolloidchemie, so wie ich sie auffaese und h e n heute hier vorzufiihren versuchte, gibt aber ganz sicher einen starken AnstoB nach der Richtung hin. Schon jetzt erfordert sie die ganze Kraft einea Forschers. Ihre Resultate werden, des bin ich sicher, zu auch theoretisch sehr wichtigen SchluBfolgenmgen fiihren, weil ea uberhaupt keine anderen Reagenzien gibt, die auf kleine, scheinbar unbedeutende chemische Veriinderungen so prompt und stark reagieren, als die kolloidischen. Daher sind sie so geeignet, das zu studieren, was bisher eigentlich noch ganz unbekannt ist, den chemischen Wert jedes Stoffea oder die chemische Affinitlit. Damit eroffnen sich Ausblicke, deren Weite noch gar nicht ermeasen werden kann. Die vorliegenden Mitteilungen beziehen sich auf einen Teil der in den letzten Jahren in meinem Laboratorium auf diesem Gebiete ausgefiihrten Arbeiten. Ich hatte beabsiohtigt, sie i m Zusammenhange in einem spiiteren Zeitpunkt zu veroffentliohen. Da aber inzwisohen einige Resultate meiner Verauche, wie z. B. iiber die Analyse dea Kal kstickstoffa, vielfach angewendet und auch publiziert wurden, so bile ich zuniichst einen Auszug aus einer Reihe der vorgenommenen Untersuchungen mit. I. D i e S i l b e r s a l z e d e s C y a n a m i d s u n d d e s D i c y a n d i a m i d s . (Unter Mitwirkung von Dr. B. S c h u c k.) I m C y a n a m i d CN2Hz konnen beide Wasserstoffatome durch Metalle ersetzt werden. L&liche Silbersalze erzeugen in Cyanamidliisungen einen amorphen, hochgelben Niederschlag (B e i Is t e i n -G e u t h e r , Liebigs Ann. 108, 99), welcher sehr leicht in Salpetersiiure liislich, in verd. Ammoniak dagegen derart schwer lijslich ist, daB er sur quantitativen Bestimmung dea Cyanamids benutzt werden kann. Nach B e i l s t e i n -G e u t h e r entspricht die erhaltene Verbindung der Formel Allerdings hatten B e i 1 s t e i n -G e u t h e r . sowie nachher M u l d e r nur unreine Korper erhalten, deren Silbegehalt ca. 4y0 geringer war, ale der theoretische Wert. Wir haben ein ganz rehes Silberaalz durch Fallen einer ammoniakalischen B u n g von frisch dargestelltem Natriumcyanamid mit Silbernitratliisung bei g r o k Verdiinnung der angewendeten Lasungen ( I : 160) erhalten, und zwar in Form einea kornigen, hochgelben Salzes. S i l b e r . aefunden berechnct CmAg,. (Die Silberbestimmung erfolgte durrh Fiillen des Sulfids mittels H,S und Wiigung dea metmlliechen Silbers nach Gltihen dea Sulfide. Titration mit Rhodanammonium ergibt zu niedrige Werte.) Die Angabe von B e i l s t e i n -' G e u t h e r (1. c.), daB diese Verbindung in der Hitze teilweise in NH3 ltislich ist und aus der Liisung auskrystmllisiert, trifft nicht zu. Bei Anwendung konzentrierterer Lijsungen erhalt man diese Verbindung selten in reinem Zustande. Es entstehen vielmehr bei Fiillung ammoniakalischer Cyanamidlijsungen mit Silbernitrat bzw, sohwer lijslichen Silbersalzen ofter Verbindungen,
doi:10.1002/ange.19100235102 fatcat:k5mv324f7jaijiwzghrrkke4jm