Archäologische Burgenforschung in Südniedersachsen

Hans-Wilhelm Heine
2018
Im Jahre 1994 publizierte Berndt Wächter in dieser Zeitschrift einen Bericht über die Burgenfor schung in Ostniedersachsen, der seinerseits auf einen Vortrag anläßlich der Jahrestagung der Archäo logischen Kommission für Niedersachsen in Fallingbostel 1993 zurückging, die unter dem Thema "Neue Ausgrabungs-und Forschungsergebnisse von Erdwerken und Burgen in Niedersachsen" stand (Wächter 1994 . Heine 1994a . Im folgenden soll, ohne einzelnen noch unpublizierten Ergeb nissen vorwegzugreifen, der
more » ... esentlichen Gang der Forschung der letzten Jahrzehnte im südlichen Niedersachsen nachgezeichnet werden. Die Burgenforschung in Niedersachsen hat eine lange Tradition. Die gelehrte Auseinandersetzung mit den Burgen reicht schon weit in das 18. Jahrhundert zurück. Namen wie die von Christian Ulrich Grupen oder Justus J. Möser seien nur stellvertretend genannt. Schließlich waren es die Aktivitäten der historischen Vereine, wie z. B. des Historischen Vereins für Niedersachsen, des Oldenburger Ver eins für Landesgeschichte und Altertumskunde oder des Osnabrücker Geschichtsvereins, die sich auf einer wissenschaftlichen Basis bei der Erforschung der Dynasten-und Adelsgeschlechter nicht nur mit den Burgen des Mittelalters, sondern auch mit der Erforschung der "alten Umwallungen und Schan zen" der Ur-und Frühgeschichte beschäftigten (Müller 1870; 18.71; 1893. Last 1976, 383ff. Heine 1995 a, 9 ff.). Angeregt durch die Arbeiten zur Erforschung des Obergermanisch-Rätischen Limes faßte 1883 der Historische Verein für Niedersachsen den Beschluß, eine großangelegte Aufnahme der ur-und frühgeschichtlichen Umwallungen vorzunehmen. Die Arbeiten zum "Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen in Niedersachsen" begannen unweit Hannovers mit der Aufmessung der Hünenburg (besser bekannt als Kukesburg) nahe Springe und der Bennigser Burg am östlichen Deisterrand, beide Landkreis Hannover. Das erste Heft erschien 1887. Carl Schuchhardt, seit 1888 Direktor des Kestner-Museums zu Hannover, übernahm ab 1892 federführend die Edition dieses Werkes, in das auch die meisten ur-und frühgeschichtlichen Burgwälle Südniedersachsens, dazu eine Reihe mittelalter licher Burgen sowie Landwehren und Schanzen Eingang fanden (Oppermann, Schuchhardt 1887-1916). Im Laufe der Zeit stellte sich vor allem aufgrund der von Schuchhardt in vielen Wallanlagen durchge führten oder veranlaßten Grabungen heraus, daß die meisten aufgenommenen Befestigungen nicht vorgeschichtlichen, wie der Titel des Burgenwerkes vermuten ließ, sondern früh-oder hochmittelal terlichen Datums waren. Die Grabungen Schuchhardts und seiner Helfer wurden für unsere Verhält 259
doi:10.11588/nnu.1997.1.47830 fatcat:eqzneiah2rcldgf4tarz26yubm