Was kann die Soziologie über Nichtwissen wissen? – Antwort auf Klaus Japp / What Can Sociology Know about Non-knowledge? A Reply to Klaus P. Japp

Peter Wehling
2002 Zeitschrift für Soziologie  
In meinem Beitrag "Jenseits des Wissens?" hatte ich unter verschiedenen Aspekten Zweifel daran formuliert, daß der systemtheoretische Zugriff auf die Thematik des Nichtwissens für differenzierte soziologische Analysen sonderlich anregend und aufschlußreich ist (Wehling 2001: 474ff.). Klaus Japp läßt in seiner Replik erkennen, daß er darin weniger diskussionswürdige Einwände als vielmehr "Fehlverständnisse" sieht, die es auszuräumen gelte. Dennoch scheint er seinen eigenen Argumenten nicht so
more » ... z zu trauen, denn am Ende greift er zu einer recht befremdlichen Hilfsthese. Danach ist die "verbreitete Neigung, systemtheoretischer Argumentation komplett zu widersprechen", weniger durch inhaltliche Differenzen motiviert als vielmehr durch das Bedürfnis, sich beim mainstream der Soziologie anzubiedern, wobei die Systemtheorieüberraschend genug -zum outsider stilisiert wird. Diese etwas schlichte "Wissenssoziologie" hätte zweifellos eine eigene ausführliche Antwort verdient. Aus Platzgründen beschränke ich mich jedoch auf die inhaltlich strittigen Fragen und konzentriere mich zunächst auf den "Vorwurf" des Realismus (1.) und die soziologisch relevanten Unterscheidungen von Nichtwissen (2.), um dann eine andere Interpretation des Beispiels BSE zu skizzieren (3.).
doi:10.1515/zfsoz-2002-0507 fatcat:f22xvszp5ffnthqobq2siy6pgq