II. Opaleszierender Quarz

Ernst Kalkowsky
1915 Zeitschrift für Kristallographie - Crystalline Materials  
Das Wesen der Abart Milchquarz ist in neuerer Zeit in Lehrbüchern und in vielen Abhandlungen völlig verkannt worden, denn »milchweißer«, »schneeweißer« Quarz ist nicht ohfle weiteres als Milchquarz zu bezeichnen. Die alten Mineralogen nannten Milchquarz einen stark durchscheinenden bis durchsichtigen Quarz von dem Aussehen des Wassers, in dem wenige Tropfen Milch verrührt sind. Reinster Milchquarz ist frei von Einschlüssen und bietet auch unter dem Mikroskop keinerlei fremde Einlagerungen dar,
more » ... Einlagerungen dar, während der milch-oder schneeweiße Quarz von Flüssigkeits-oder Gaseinschlüssen strotzt. Der reine Milchquarz opalesziert, er zeigt das Tyndallphänomen: ein durch eine Linse einfallender Kegel von starkem Licht hebt sich von dem nur allgemein beleuchteten Teil heller ab. Die Opaleszenz kann sehr verschieden stark sein bis hinab zur Wahrnehmbarkeit nur vor dunkelem Hintergrund. Kräftig »milchiger« Quarz erscheint im durchfallenden Licht gelblich-bräunlich. Die Ursache der Opaleszenz des Quarzes sind wesentlich hypomikroskopische (ultramikroskopische) Dinge. Der Milchquarz kann aber auch so viel Flüssigkeits-bis Gaseinschlüsse enthalten, daß er dadurch undurchsichtig, milch-oder schneeweiß, wird; dieser soll in folgendem als weißer Milchquarz bezeichnet werden. Es bedarf besonderer Untersuchung, um zu entscheiden, ob ein weißer, spätiger Quarz, von dem man wirklich nichts Besonderes erwarten sollte, noch opaleszierende Substanz hat, oder ob gemeiner Quarz, d. h. durch Flüssigkeitseinschlüsse usw. getrübter Bergkrystall vorliegt. Da jedoch aller opaleszierende Quarz in größerer Menge nur in pegmatitischen Massen auftritt, so ist schon dadurch einigermaßen eine Anleitung zur Bestimmung weißen Quarzes als opaleszierend gegeben, falls nebenher auch reiner Milchquarz vorhanden ist.
doi:10.1524/zkri.1915.55.1.23 fatcat:eihzygzlqzcyti6xmivb6ro2yi