Der arteriomesenteriale Duodenalverschluß

Wilhelm Reinhard
1922 Deutsche Zeitschrift für Chirurgie  
ehem. Sekund/irarzt. Der m/ichtige Literaturschatz tiber den arteriomesenterialen Duodenalverschlul~ zeigt, dal3 man der Erkrankung grol3es Interesse entgegen gebracht hat, ein Beweis ffir die vielen wissenschaftlichen Anregungen, die das Wesen dieser Krankheit bot. ()bwohl das anatomische Substrat seit etwa der Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt ist (R o kit anski war der erste, welcher es im Jahre I842 beschrieb), so gingen noch bis vor kurzem die Ansichten der Kliniker dahin auseinander,
more » ... dahin auseinander, dab viele yon ihnen ~eine prim~ire Erkrankung bestritten, ganz zu schweigen yon der grol~en Meinungsverschiedenheit, welche tiber die Atiologie der Erkrankung selbst noch herrscht. Es ist in erster Linie v. Hab e r e r zu verdanken, daf5 er in diese Unklarheiten insofern etwas Ordnung hineinbrachte, als er die Erkrankung sui generis beim arteriomesenterialen Duodenalverschhfl3 dutch die Operation nachwies. v. Haberer operierte F/ille, bei denen keine Dilatatio ventriculi vorlag, sondern muskelkr/iftige Magen angetroffen wurden und hat damit den Beweis ffir eine prim/ire Erkrankung erbracht. Dieser Tatsache 'kann ich reich roll und ganz anschliel3en, da ich F~lle yon der gleichen Art beobachten konnte, auf die ich noch sp/iter zurtickkomme. Es w/ire zu welt gegangen, aueh nut in groflen Ztigen das Literaturstudium hier zu ventilieren, um an ihm nachzuweisen, wie sich die Ansichten, die theoretischen Ausftihrungen und Betrachttmgen fiber das Zustandekommen und fiber das Wesen der Krankheit entwickelt haben, wie sich die Autoren aus der bekannten und anerkannten anatomischen Unterlage ein klinisches Bild analysierten, an dessen Kompetenz niemand zweifeln kann. Nut kurz will ich erw/ihnen, dal3 noch sehr .~ 9.. 0 ]{EINHARI, lange die falsche Ansicht verbreitet war, indem mall den mesenterialen Duodenalverschlul3 und die akute Magendilatation ti,ir gleichbedeutend hielt, eine Verkennung, die selbstverstS.ndlich zu einer groBen Verwirrung AnlaB geben muBte. Diese beiden grundverschiedenen Krankheitsbilder, welche zwar in ihren Symptome n sehr /ihntich und darin nut graduell zu trennen sind, gedachte der Kliniker unter einen Hut zu bringen, ungeachtet des absolut verschiedenen anatomischen Aufbaues, den sie besitzen. Der Analore beweist gan~ richtig die Dilatatio ventriculi und zeigt ihre Kombination mit ctel-mesenterialen Abschnfirung der Pars inferior duodeni, er kann abet nicht, oder nut sehr selten den mesentcrialen Verschlul?~ flit sich allein demonstrieren, und zwar aus dem einfachen Grunde nicht, weil eben die F/ille in der Regel dann erst sterben, wenn sic eine Magenerweiterung haben. Mithin kann der Anatom auch nie yon einem prim/iren oder yon einem sekund~iren Verschlug reden. Gewig ist die Zahl deren iiberw/iltigend griiger, welche dieses Zusammenwirken auch in vivo schon sehr ffiih zeigt und wit bek,ommen die Patienten erst in die Behandhmg, wenn diese Kombination besteht; ab und zu sehen wit zwar auch die Magenerweiterung unter unseren ..\ugen ~,ekund~ir eintreten, k6nnen abet den Beweis fiir einen mesenterialen Duodenalverschlu[3 ohne Magendilatation selten erbringen, weil wil mit Recht die Operation nur als ultimum refugium wS.hlen, also in einem Stadium, in dem das kombinierte Bild fiir ge-w6hnlicl ~, vorhanden ist. Trntzdem sind wit in der Lage, klinisch streng zu scheiden zwischen Dilatatio ventriculi acuta und duodenalem VerschluB: beide Erkrankungen sind zwar, wie erwS, hnt, in ihren Symptomen sehr iihnlich, doch fiir den Kenner und genauen Beobachter auseinanderzuhatten und beide haben eine grundverschiedene Prognose. Erkennen wir diese Tatsachen an, so sind die gr6f3ten Unklarheiten beseitigt und der mesenteriale \'erschlu[,~ kommt wenigstens als Erkrankung sui generis zu seinem Recht. \Vie ich eben schon sagte, wolltc man alle Formen des mesenterialen Verschlusses auf das Konto der akuten Magendilatation ~etzen und ihn nur als eine sekundS.re Erkrankung anerkennen. l)as Hauptgewicht bei seinem Zustandekommen legte man auf mechanische Einfliisse, konstruierte Komponente, welche die Er-Dev arferiomesellterial~ DuodenalverschluB. .~r
doi:10.1007/bf02791024 fatcat:l5trfdui3neonakvakli3jgeoi