Francia-Recensio 2015/1 Mittelalter-Moyen Âge (500-1500)

Olivier Delsaux, Tania Hemelryck
unpublished
(dir.), Les manuscrits autographes en français au Moyen Âge. Guide de recherches, Turnhout (Brepols) 2014, 285 p., 14 b/w ill. (Texte, Codex et Contexte, 15), ISBN 978-2-503-52279-1, EUR 71,00. rezensiert von/compte rendu rédigé par Vanina Kopp, Paris Wie kann man eine mittelalterliche Handschrift nicht nur lesen, sondern die Schreibhand auch einzelnen Verfassern oder Kopisten zuordnen? Wie findet man heraus, ob diese(r) in den Prozess der Vervielfältigung der Werke eingriff? Diese Fragen haben
more » ... Diese Fragen haben sicherlich schon all jene bewegt, die im Archiv über mittelalterlichen Handschriften auf der Suche nach Autografen brüteten. Es sind grundsätzliche Fragen der Auseinandersetzung mit mittelalterlichen Texten, jenseits von theoretischen Ansätzen zur Originalität oder von kulturanthropologischen Konzepten zur Schriftlichkeitsforschung. Der Band der beiden belgischen Forschenden aus der in Löwen beheimateten und sehr aktiven Groupe de recherche sur le Moyen Âge français ist komplett dem Umgang mit autografen mittelalterlichen Handschriften seit der Nutzung der französischen Sprache für literarische Texte bis 1500 gewidmet. Das als »Guide de recherches« untertitulierte Werk ist ein Einführungs-und Lehrwerk zum Umgang mit autografen französischsprachigen Handschriften des Mittelalters. Es werden nicht nur methodologische Lösungsansätze für die eingangs genannten Fragen präsentiert, sondern auch Repertorien zu Handschriften und Autoren an die Hand gegeben, inklusive diverser thematisch-selektiver Bibliografien, und Anwendungsbeispiele aus der Forschungspraxis. Nach einer kurzen Einleitung, auf deren definitorische Bedeutung im Folgenden zurückzukommen sein wird, beginnt das Buch mit dem Abschnitt »Mode d'emploi«-einer methodischen Anleitung zum Umgang mit autografen Handschriften, von Fragen ihrer Identifikation über Hinweise der Edition bis zu Leitlinien für die Untersuchung. Schritt für Schritt werden Schwierigkeiten, Alternativen und Möglichkeiten der mittelalterlichen Text-und Schriftanalyse angesprochen. Diese Handreichung wird untermauert von Verweisen auf Fallstudien. Zwei thematisch getrennte Bibliografien von Standardartikeln (eine zu Autografen in französischer Sprache, eine kürzere zu lateinischen) runden den Einführungsteil ab. Derartig aufgeklärt über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Autografen und gut vorbereitet auf den korrekten Umgang mit diesem Texttyp, folgen auf den nächsten gut hundert Seiten zwei Repertorien autografer Handschriften. Das erste Repertorium listet alphabetisch Autoren auf, von denen Autografen überliefert sind. Ein ausführlicher Fußnotenapparat verweist auf weiterführende Literatur zu Autor, Editionen oder Studien zur jeweiligen Handschrift. Kleine Icons und eckige Klammern hinter der Handschriftensignatur informieren zusätzlich über den etwas kompliziert definierten »Status« des Autografen: Die »autografe Handschrift«, wie in der Einleitung auf S. 7 präzisiert, schließt nämlich nicht nur Texte, die von einem Autor und Schreiber in Personalunion verfasst (»manuscrits autographes«) oder korrigiert wurden (»manufactures autographes«) ein, Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de
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