ifo Schnelldienst

Zur Diskussion, Jörg Krämer, Ulrich Kater, Sebastian Dullien, Werner Becker, Steigende Inflationsraten
2008 unpublished
Steigende Inflationsraten: Ist die Zinserhöhung der EZB die richtige Reaktion? In letzter Zeit sind die Inflationsraten weltweit kräftig gestiegen. Als Reaktion erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) Anfang Juli ihren Leitzins. Jörg Krämer, Com-merzbank, sieht diese Zinserhöhung als notwendig an, da die entscheidenden, langfristigen Inflationserwartungen im Laufe des Jahres gestiegen waren und deut-lich über der 2-Prozentmarke der EZB lagen. Senken sollte die EZB den Leitzins dann, wenn die
more » ... ins dann, wenn die langfristigen Inflationserwartungen merklich gefallen und im Einklang mit ihrer Definition von Preisstabilität sind. Ulrich Kater, DekaBank, sieht hinter dem Handeln der EZB die Absicht, Einfluss auf die Inflationserwartungen zu nehmen und keine Kursänderung in Richtung restriktiver Geldpolitik. In diesem Sinn verstanden sei der Zinsschritt der EZB vom Juli zu rechtfertigen. Und auch Werner Becker, Deut-sche Bank Research, ist der Ansicht, dass "die moderate Zinsanhebung Anfang Juli ein psychologisch wichtiges Signal zur Stabilisierung der Inflationserwartungen" war: »Im Übrigen dürfte ein kleiner Leitzinsschritt keinen großen Flurschaden bei der Konjunktur anrichten.« Dieser Meinung widerspricht Sebastian Dullien, Fachhoch-schule für Technik und Wirtschaft, Berlin: »Zwar mag diese Reaktion auf den ersten Blick angesichts der hohen Teuerung vernünftig erscheinen, bei genauerer Betrach-tung spricht allerdings reichlich wenig für den Schritt. Viel deutet darauf hin, dass der bereits eingesetzte Abschwung auch ohne die EZB-Zinserhöhung völlig gereicht hätte, um die Inflationsrisiken zu begrenzen. Statt mit Augenmaß die Inflation in Schach zu halten, droht die EZB mit ihrem Kurs den Abschwung im Währungsraum in eine ausgewachsene und tiefe Rezession zu verwandeln.« Die ifo Kapazitätsauslastung-ein gleichlaufender Indikator der deutschen Industriekonjunktur Klaus Abberger und Wolfgang Nierhaus Daten und Prognosen 24 29 35 61. Jahrgang-ifo Schnelldienst 16/2008 3 EZB: Dem Lockruf des billi-gen Geldes widerstehen Auf der Pressekonferenz Anfang Juni kündigte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, überraschend an, dass die Bank ihren Leitzins einen Monat später wohl anhe-ben werde. Das hat sie dann auch ge-tan. Die Falken im EZB-Rat hatten da-mals alle Argumente auf ihrer Seite. Die Eurowirtschaft war im ersten Quartal ge-genüber den letzten drei Monaten des Jahres 2007 um stolze 0,7% gewach-sen, bei den monatlichen Inflationsdaten drohte die 4%, und die langfristigen In-flationserwartungen waren deutlich über die 2-Prozentmarke der EZB gestiegen. Mittlerweile hat sich das Bild völlig ge-wandelt, die Falken sind in der Defensive -sowohl bei der Konjunktur als auch bei der Inflation.
fatcat:n7hb6664yreypg5enesrbt3ynu