Eine Modifikation der Bassinischen Radikaloperation der Hernien

Theodor Papaïoannou
1907 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
die radikale Heilung der Leistenhernien bedient sich ein Teil der Operateure der Czernyschen Methode, wobei man den Bruchsack von seiner Umgebung freilegt, schnürt und, nachdem man den Stumpf versenkt hat, die Leistenpfeiler durch eine Naht vereinigt. -Andere Operateure ziehen die Kils tersche Methode vor, welche darin besteht, daß man nicht nur die Pfeiler des Leistenkanals, sondern auch die sämtlichen Kanaiwände um den Samenstrang zusammennliht. Sehr häufig bedient man sich auch der Methode
more » ... auch der Methode des Lucas Championnière, der, um die Verhältnisse des Bruchsackes am inneren Leistenringe genau beurteilen zu können, eine Spaltung der Aponeurose des Obliquus externus und eine Naht von oben nach unten im Bereich des inneren Leistenringes als Schutzdecke macht, worauf er die gespaltene Aponeurose des Obliquus externus wieder zusammennäht. Mc Ewen entfernte nicht den Bruchsack, sondern formte aus demj ganzen Sack DIETJTSCHE MEDIZINISCHE WOCHENSCHRThP. 545 eine Art Kissen, durch welchen Vorgang er einen eigenartigen Verschluß der Bruchpforte machte. Die meisten Chirurgen aber ziehen die Bassinische Operationsmethode vor, bei welcher zwei Punkte hauptsächlich zu berücksichtigen sind. Es handelt sich einesteils darum, den normalen Verlauf des Samenstranges, durch welchen ein Rezidiv der Hernie vorkommen kann, zu ändern und dadurch eine Verlagerung desselben zu erreichen, und andernteils, sich eine festere und sicherere Wand als Schutzdecke zu bilden. Bei der Erfüllung solcher Bedingungen ist es leicht begreiflich, warum sich die meisten Chirurgen besonders an diese Methode halten, obgleich die von Kocher vorgeschlagene Verlagerungs-oder Invaginationsverlagerungsmethode auch gute Heilungs-und Dauerresultate ergeben hat, besonders bei den kleinen Leistenbriichen, und sozusagen Konkurrenz der Bas sinischen Methode macht. Im Vergleich zu der Bassinischen hat die Kochersche Methode den Nachteil, daß sie nicht bei allen und speziell nicht bei größeren Brächen angewendet werden kann, bei denen es sich auch um Verwachsungen mit den Brucheingeweiden handelt. Zu allen erwähnten kommt noch die in letzter Zeit bekannt gewordene Operationsmethode von Wullstein, die hauptsächlich eine komplette Vernähung des abdominellen Leistenringes sowie des ganzen Leistenkanals gestattet, mit einer Verlagerung des Samenstranges hinter einen plastischen Lappen an der Vorderseite des. Reetusrandes. Im Zentralblatt für Chirurgie No. 38 wird diese Methode ausführlich behandelt, und zwar ist das Resultat nach 19 voll Wullstein vorgenommenen Operationen gestellt worden. Persönlich können wir momentan über diese Methode kein Urteil fällen, da wir sie bis heute noch nicht angewendet haben. An dieser Stelle möchten wir nicht unbemerkt lassen, daß an der Bassinischen Methode verschiedene Operateure Modifikationen vorgenommen haben, besonders Wölfier, Frank, Ferrari, Bommarito, Nelaton. Ich speziell habe mir auch die Bassinische Methode zugrunde gelegt, dabei aber auch alle jene Modifikationen zu berücksichtigen versucht, welche nach meiner Ansicht zu einem siehereren Erfolg führen; ich glaube also Rezidive besser vermeiden zu können durch Anwendung folgender Modifikationen der B a s s ini sehen Methode: Bei jedem Leisten-oder Scrotaibruch wird ein dem Poupartsehen Bande paralleler Schnitt gemacht, welcher an der Spina iliaca anterior superior beginnt und stets nur bis an den äußeren Leistenring reicht. Nach Durchtrennung der Haut und des subcutanen Bindegewebes lege ich, besonders nach oben gegen den Rand der IBursa des Abdominis recti, die Aponeurose des Obliquus abdominis exterior frei und präpariere so gut als möglich den äußeren Leistenring. Hierauf erfolgt die sorgfältige Isolierung des Bruchsackes von dem Samenstrang und die Spaltung der Aponeurose des Obliquus externus, aber nicht durch die Fibrae intercolumnares, auch nicht dem Verlauf des Leistenkanals entlang, sondern etwa 2-3 cm oberhalb des Poupartschen Bandes und parallel zu demselben, sodaß auf diese Weise der untere Lappen der Aponeurose des Obliquus externus auch das Crus superius der Aponeurose enthält, wie in Fig. 1 die punktierte Linie den Verlauf Fig. 1. 69 Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0029-1202996 fatcat:7icbylzlmvex7naw3io4w6d4uq