Der Ort des Geschehens [chapter]

Abgrund Metz  
Die anderen Festungen Frankreichs schützen die Provinzen, Metz aber schützt den Staat." Vauban 1 Metz ist das Herz Lothringens und seit ältester Zeit ein wichtiger Straßenkreuzungs-und Verkehrsknotenpunkt am Rande des gallo-römischen Kulturkreises. Der Moselfluß teilt Stadt und Region und liegt wie ein breiter Graben zwischen den umliegenden Höhen. Jahrhunderte war er die wichtigste Lebensader der Messins. Die sandige Hügellandschaft an seinen Ufern taugte vornehmlich zum Weinbau, und den
more » ... und Winzern brachte vor allem der per Schiff betriebene Handel, den bereits die Römer eifrig gefördert hatten, Lohn und Brot. Man brauchte die offenen Wege ins Land, denn die Stadt war seit jeher "Lager und Depot" 2 , ein Sammel-und Umschlagplatz für Waren, Geld und Menschen. Immer strömten hier die Dinge zusammen, traf und begegnete man sich. Wo heute ein weitverzweigtes Autobahnkreuz liegt, gab es zur Belagerungszeit zwei Bahnlinien, eine südliche von Nancy und eine west-östliche von Paris nach Saarbrücken. Mit den Eisenbahnen, einer hier erst relativ spät eingeführten Neuerung 3 , kam die Industrialisierung, und ganz neue Mobilitätschancen, gerade im militärischen Bereich, taten sich auf. Jedoch sollte der Gütertransport per Schiene im Herbst 1870, wir werden darauf später näher eingehen, vor der Festung noch kaum wie gewünscht funktionieren. Für die Menschen in der Stadt blieb das neue Verkehrsmittel, wie überhaupt jede Verbindung mit dem Umland, während der Belagerungszeit ohnehin gänzlich gesperrt. Erst die gefangengenommene Rheinarmee machte Anfang November wieder Bekanntschaft mit jenen unbequemen, kalten Zügen, die sie nach Deutschland bringen sollten.
doi:10.1524/9783486832969.11 fatcat:dd6ejp7dsvcfjjeo4dpoohceoa