4. Populäre Künste [chapter]

2019 Populärkulturforschung  
Die Fragestellung desertiert nicht vom Plädoyer des zweiten Kapitels, auf essenzialisierende Bestimmungen nach dem Muster »Was ist populär und was nicht?« zu verzichten und eher über Familienähnlichkeiten nachzudenken. Doch verlaufen die faktischen Debatten nach anderen Regeln. So hat der Musikologe Ralf von Appen (2014: 123) zutreffend konstatiert: »Im Gegensatz zur traditionellen Musikwissenschaft meidet die Popmusikforschung den Kunstbegriff nahezu vollständig, da sie ihn als Werkzeug einer
more » ... als Werkzeug einer hegemonialen Ideologie ansieht.« Andererseits wird immer wieder versucht, populäre Texte -von Charles Chaplin bis Lady Gaga -in den Rang »echter« Kunst zu heben oder wesentliche Segmente der PK als Unterhaltungskunst zu qualifizieren. Hinter solcher Rede von »Kunst« steht oft das Bemühen, Populäres aufzuwerten und seinen Produzenten (weniger den Nutzern) größere Anerkennung zu verschaffen. Diese Einführung folgt einem dritten Argumentationsstrang, der sich in einer ganzen Reihe neuerer Überlegungen zum Thema findet. »Kunst« steht hier nicht unter dem emphatischen Anspruch, zur geistig-moralischen Erhebung der Menschheit beizutragen. Vielmehr wird der Begriff analytisch verwendet. »Kunst« bezieht sich auf eine spezielle Art von Zusammenwirken zwischen Angeboten -nicht »Werken«! -, die bestimmte Praktiken und Erfahrungsweisen ermöglichen, ja nahelegen, und Nutzern, die mit diesem Material besondere Erlebnisse und Wissenselemente zu erzeugen suchen. Das klingt ziemlich abstrakt; aber es ist genau das, was bei einem guten Film, in einem Club mit einem coolen DJ oder auch bei einem mitreißenden Fußballspiel geschieht, zumindest nach Meinung der Beteiligten geschehen sollte. Etwas konkreter bezeichnet Kunst die Eigenart der Angebote, derartige Erfahrungen des Vergnügens nahezulegen, sie möglichst wahrscheinlich und möglichst intensiv erlebbar zu
doi:10.14361/9783839445983-004 fatcat:z2a65gsvurdqfgqbluqwh5mrqa