Gedenkworte am Sarge von Prof. Ernst Schwarz/Erlangen * 19. Juni 1895 in Haida † 13. April 1983 in Erlangen

Karl Bosl
2016
Das Collegium Carolinum, Forschungsstelle für die böhmischen Länder zu München, hat mich beauftragt, Worte des Abschieds, der Verehrung und des Dankes am Sarge des Altprager Professors Dr. Ernst Schwarz, eines bedeutenden Germanisten und Slawisten, zu sagen. Ernst Schwarz zählte zu den Gründungsmitgliedern unserer Forschungsstelle, der er diente und die er förderte, solange seine Lebenskräfte ausreichten. Er liebte die Heimat und das goldene Prag und war ebenso stolz darauf, dort Professor
more » ... dort Professor gewesen zu sein wie in Erlangen; aber er verwechselte Politik nicht mit Wissenschaft, war unerbittlich und kritisch in seiner wissenschaftlichen Aussage; darum haben seine Landsleute zu wenig von ihm Notiz genommen, der sich des höchsten Gutes, das ein Volk in der "Fremde" besitzt, seiner Sprache, annahm und nach dem Verlust seines Materials in der Vertreibung noch ein zweites Mal die Initiative zu einem "Sudetendeutschen Wörterbuch" ergriff, dessen Material jetzt vollständig gesammelt ist. Für das geistig-mentale Überleben seiner Volksgruppe hat damit dieser große Germanist und Slawist mehr getan als die vielen, die nur davon reden. Das Collegium Carolinum hat in sechs stattlichen Bänden sein böhmisches und sudetendeutsches Gesamt-Oeuvre gedruckt und seine Forschungen und Erkenntnisse nicht nur für eine sudetendeutsche, sondern eine gesamtdeutsche Zukunft griffbereit gehalten und bewahrt. Angefangen von seinem großen Erstlingswerk "Die Ortsnamen der Sudetenländer als Geschichtsquelle", das den Philologen auch als bedeutenden Siedlungshistoriker auswies, reicht seine wissenschaftliche Leistung über "Sudetendeutsche Sprachräume" zu einem grundlegenden Werk über böhmische und mährische "Volkstumsgeschichte" in zwei Bänden, die eine unendliche Fülle von (Quellen-)Material aufarbeitete und das Standardwerk aller wissenschaftlichen Forschung zur "Ethnogenese" der Sudetendeutschen und ihrer Vorgeschichte bleiben wird. Als 6. Band des als "Handbuch der sudetendeutschen Kulturgeschichte" zusammengefaßten Gesamtwerkes schenkte er seinen Landsleuten noch ein Buch "Sudetendeutsche Familiennamen des 15. und 16. Jahrhunderts", das den deutschen Namenbestand vom tschechischen abgrenzte. Schwarz war als Germanist und Slawist besonders befähigt und berufen, Wesen, Ausmaß und Grenzen von Symbiose und Nationalisierung von Tschechen und Deutschen zu ermessen. Und das setzte ihn auch instand, sich in der neuen Heimat sofort am wissenschaftlichen Disput über ethnogenetische Probleme der bayerisch-fränkischen Geschichte zu beteiligen, so über die frühmittelalterlichen Romanen des Regensburger Umlandes, über slawische Grundsubstanzen im Volkstum Frankens und der Oberpfalz. Durch sein bedeutendes Buch über "Sprache und Siedlung in Nordostbayern" hat Ernst Schwarz sich nicht nur die bayerische Siedlungs-und Volkstumsgeschichte
doi:10.18447/boz-1983-2922 fatcat:5ndceryo7zdcrfgxrcbkjikoyu