Das Problem des Skeptizismus bei Descartes und Locke [thesis]

Won Suck-Young
14 . Stroud, Preface, viii-ix. 15 . Obwohl ich mit ihr völlig einverstanden bin, daß Descartes sich nicht einfach mit dem traditionellen Problem des Skeptizismus beschäftigt, also mit der Rechtfertigung der Möglichkeit der Erkenntnis, sondern darüber hinaus auch mit dem Inhalt dieser Erkenntnis, finde ich es unglücklich, daß die Bedeutung des Problems des Skeptizismus bei Descartes in ihrer Interpretation dadurch zu gering eingeschätzt wird. Wilson findet nämlich die Funktion der skeptischen
more » ... umente zuletzt hauptsächlich darin, "to leave us, provisionally, with a shadow of doubt or unease, particularly with reference to sense experience." S. 26. 13 Eine andere Antwort wäre diese: Jene Interpreten haben ihrerseits eine bestimmte Vorstellung vom Problem des Skeptizismus, derzufolge es unabhängig und isoliert von anderen wissenschaftlichen Tätigkeiten betrachtet werden kann. Wenn dies der Fall ist, ist ihre Vorstellung von der Descartes' völlig verschieden. Descartes meint, daß nicht alle sich mit dem Problem des Skeptizismus und den metaphysischen Problemen in De Methodo oder in den Meditationes beschäftigen müßten, und daß man sich, wenn überhaupt, nur einmal im Leben mit diesen Problemen beschäftigen müsse. Clarke glaubt, daß dies ein Zeichen dafür sei, daß Descartes diese Probleme gering schätze. 16 Aber dies ist ein Mißverständnis. "Nur einmal" bedeutet nicht "niemals" und "nicht alle" bedeutet nicht "niemand". Vor allem ist die Rede von "nur einmal" und "nicht alle" kein Zeichen dafür, daß Descartes die Probleme für unbedeutend hält. Sie sind wichtig, wie Descartes an mehreren Stellen unmißverständlich sagt. Man sollte den Grund dafür, daß Descartes jenen Rat gegeben hat, eher anderswo suchen. Er liegt darin, daß Descartes glaubt, daß er die Probleme gelöst habe, und daß es ausreichend sei, daß er die Probleme gelöst habe. Sein Rat zielt darauf ab, einen Unterschied zwischen verschiedenen Leuten zu machen. 17 Er rät nicht allen ohne Unterschied, sondern nur einigen Leuten, sich mit den erwähnten Problemen zu beschäftigen. Um den Grund dafür zu verstehen, müssen wir die Art und Weise betrachten, in der er zu jenen Problemen, besonders zum Problem des Skeptizismus, gekommen ist. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, daß sein Versuch, den Skeptizismus zu widerlegen, nicht aus dem Wunsch entstanden ist, Andere vor ihm zu schützen. 18 Er hat das Problem des Skeptizismus eher im Lauf seiner eigenen Suche nach der Wahrheit gefunden und es als das größte Hindernis erkannt, das jener Suche im Wege steht. Dies ist der Grund dafür, daß er es für notwendig gefunden hat, den Skeptizismus zu widerlegen. Und dies ist auch der Grund für ihn, zu glauben, daß er nicht der einzige sei, der das Problem erkennt und einen Lösungsversuch macht, denn er kann sich vorstellen, daß alle, die die Wahrheit suchen, sich ähnlich verhalten würden. Descartes zufolge hat es aber wenig Sinn, sich mit einem Problem zu beschäftigen, wenn man dazu nicht durch eigene Überlegungen, sondern dadurch geführt worden ist, daß man von anderen gelernt oder erfahren hat, daß es ein Problem ist. In diesem Fall ist es nämlich schwer, die Lösung nachzuvollziehen, die die anderen gefunden haben, geschweige denn sie selbst zu finden. 19 Darauf beruht sein Rat.
doi:10.53846/goediss-55 fatcat:drjaxoohrveclktarswt2pghz4