Ottheinrich

Alexander Von Reitzenstein
2020
delikateste "peinture" und äußerste Abstraktion: "Moses und die Töchter Jetros" (166), wohl die entschiedenste Absage an die Ideale der Hochrenaissance, die das Jahrhundert hervorgebracht hat. Das erstaunliche Bild hat neuerdings eine Art von Gegenstück erhalten durch einen Fund im Depot des Pisaner Nationalmuseums: "Rebekka und Elieser am Brunnen" (167, Abb. 3). Vasari erwähnt ein Bild von Rosso mit ähnlichen Zügen, und eine Zeichnung Salviatis überliefert, leicht verän dert, die gleiche
more » ... , die gleiche Komposition. Im Gegensatz zu dem Leinwandbild der Uffizien ist das neugefundene auf Holz gemalt; der Erhaltungszustand ist schlecht. Dies mag die unstreitig vorhandenen Härten zum Teil erklären. Doch finden sich auch Partien von hoher Qualität, die an eigenhändige Ausführung durch Rosso denken lassen. Die Möglichkeit, daß es sich um ein Original seiner Hand, nicht nur um eine Kopie han delt, sollte nicht von vornherein beiseitegeschoben werden. -Die Anfänge Rossos werden repräsentiert durch die beiden kleinen Madonnen 155 und 156 (Arezzo und Galerie Borghese). Sie sind nach Stil und Technik kaum voneinander zu trennen, ihre Zuschreibung an Rosso muß aber vorerst hypothetisch bleiben, solange nicht weitere Bindeglieder zu den gesicherten Werken auftauchen. Ähnlich steht es mit den Bildnissen, von denen nur einsdas aus Liverpool (165)durch die Signatur gesichert ist; am ehesten fügt sich ihm das stattliche Männerbildnis aus Washington an (161). -Problematisch bleibt wohl auch noch die Gruppe von Bildern, die nach Longhis Vorgang der italienischen Periode des Alonso Berruguete zugeschrieben wer den (152)(153)(154). Besonders bei dem Tondo der Sammlung Loeser (153) scheint der Zusammenhang mit Rosso so eng, daß er wohl nicht nur im Sinne einer bloßen "Stil parallele" (und noch dazu einer zeitlich vorangehenden!) gedeutet werden kann.
doi:10.11588/kc.1956.8.74929 fatcat:gy4rtr5eszfnzckmmggaw7llim