Der Stoff und seine Eigenschaften [chapter]

1907 Porzellan  
Zur Kenntnis der Natur des Porzellans und seiner Vorzüge vor den anderen keramischen Erzeugnissen dient am besten ein kurzer Überblick über die Tonwaren, soweit dieselben eine künstlerische Veredelung erfahren. Man unterscheidet poröse und dichte Ton waren. Bei den porösen ist der Scherben nicht dicht, sondern durchlässig, porös, d. h. er saugt Wasser auf und ist so weich, daß er sich mit dem Messer ritzen läßt. Gebrochen hat er ein erdiges Aussehen. Bei den dichten Tonwaren saugt dagegen der
more » ... saugt dagegen der Scherben nicht mehr Wasser, er ist völlig geschlossen, d. h. gesintert und von muscheligem Bruch, der Stahl gleitet von ihm ab. Zu den porösen Tonwaren gehören zunächst die Terrakotten, die aus gebranntem Ton ohne weiteren Überzug bestehen, dann die unglasierten sog. prähistorischen Tongefäße, sowie die griechischen und unteritalischen Tonwaren, die in der Regel mit einer schwarzen Firnisfarbe überzogen sind. Um den porösen Scherben völlig gegen Wasser undurchlässig zu machen und ihm zugleich ein gefälliges Ansehen zu geben, überzieht man ihn mit Glasuren, entweder mit einer durchsichtigen Bleiglasur, wie bei den glasierten Irdenwaren, den mittelalterlichen Fliesen und den Hafnerarbeiten der Renaissance, oder mit einer opaken Zinnglasur, wie bei der europäischen Fayence (Majolika), oder mit alkalinischen Glasuren, wie bei den orientalischen Fayencen. So reichen Schmuck an Malereien u. a. diese Tonwaren tragen können, so gering ist ihre praktische Brauchbarkeit, da die Glasur leicht abblättert und zerspringt. Durch härteren, feinkörnigen Scherben von weißer oder nahezu weißer Farbe zeichnet sich das Steingut aus. Es trägt eine durchsichtige, meist bleihaltige Glasur, die aber vom Messer leicht geritzt wird und auch bei Temperaturveränderungen Haarrisse bekommt. Den dichten Ton waren ist das Steinzeug beizuzählen, das einen so harten Scherben besitzt, daß er, am Stahl i*
doi:10.1515/9783111338767-002 fatcat:y3ndjktuung6nbt225tr76vg7e