Zum Verlauf des Paratyphus

1918 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Im Folgenden sollen Beobachtungen im Verlauf des Paratyphus B und zum geringeren Teil auch Paratyphus A ganz kurz beschrieben werden, die mir bei einer großen Anzahl bakteriologisch im Stuhl und im Blut nachgewiesener Fälle auffielen, weil sie zum Teil noch nirgends in der mir hier im Felde erreichbaren Literatur beschrieben wurden, anderseits, weil auf sie in differentialdiagnostischer Hinsieht in der Literatur nicht der entsprechende Wert gelegt wurde urd weil ie zum Teil in geradem Gegensatz
more » ... n geradem Gegensatz stehen zu denen anderer Beobachter. Auf meiner Abteilung behandelte ich vom August 1916 bis Januar 1917 eine größere Anzahl bakteriologisch nachgewiesener Paratyphusfälle. Infolge ungünstiger äußerer Umstiinde habe ich von diesen 152 nur etwa die Hälfte genauer klinisch studieren und verfolgen können. Von diesen Fällen warén 13 Paratyphus A, alle übrigen Paratyphus B. Die FiLlie, bei denen Paratyphus A bakteriologisch nachgewiesen wurde, werden in den folgenden Ausführungen besonders betont werden; sonst bezieht sich alles Gesagte auf Paratyphus B. Legen wir die Schottmüllersehe Einteilung zugrunde (choleraartige Form, Gastroenteritis paratyphosa, eigentlicher Paratyphus abdominalis), so haben wir von dèr ersten Form keinen einzigen Fall gesehen. Diesè Form scheint hier im Westen überhaupt sehr selten vorzukommen. Zu der zweiten Art, der Gastroenteritis paratyphosa, möchte ich die dysenterieartige Form rechnen. Davon sahen wir vier Fälle.. (Im Stuhl Paratyphus B nachgewiesen.) Diese dysenterieartigen Fälle imponierten uns wie eine gewöhn. liche Dysenterie. Plötzlicher Beginn, starkes Krankheitsgefiihl, Stuhlentleerungen 20-40mal am ['age mit mehr oder weniger starken Tenesmen. Der Stuhl war rein blutig-schleimig und besserte sich ziemlich schnell unter der gewöhnlichen Behandlung mit Diät, Thermophor und Atropin (subkutan). Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß nach unserer Erfahrung diese Fälle sich in keiner einzigen Hinsieht, auch nicht im Fieberverlauf, abweichend von der gewöhnlichen Dysenterie verhielten. Mehrere Fälle habe ich in ihrem Verlauf rektoskopisch verfolgen können. Wie bei der Dysenterie-so sah man auch hier stark geschwollene, intensiv gerötete Schleinthaut mit fibrinös-eitrigen Belägen; wie bei der Dysenterie, fielen auch hier im Beginn der Erkrankung die sehr zahlreichen bämorrhagischen Punkte auf der Schleimhaut auf. Die Muz war, wie bei der gewöhnlichen Dysenterie, nicht zu fühlen. Nach acht Tagen mehr oder weniger leichten Fiebers blieben die Kranken fieberfrei. Zwei von diesen viei Fällen zeigten Besonderes. Bei einem Falle befand sieh ungefähr 10 cm oberhalb des M. sphincter externus ein ungefähr taubeneigroßer, djckgestielter Tumor, den ich mit einem anderen Kollegen für einen Granulationstumor ansprach. Bei der Rektoskopie zeigte sich die Oberfläche ganz glatt, gerötet wie die übrige Schleimhaut. Mit der Fingerkuppe war er bei der Rektaluntersuchung nur eben zu fühlen; infolgedessen konnte die Konsistenz nicht genau festgestellt werden. Der Kranke wurde bald in die Etappe überführt, und ich hörte nichts mehr von ihm. Der andere Fall, der den Uebergang darstellt zur dritten Form der Schottmüllerschen Einteilung, weicht insofern von den übrigen ab, als er von vornherein einen äußerst schwerkranken Eindruck inaohté, ähnlich dem der schweren toxischen Dysenterien, die nach unserer Erfahrung rettungslos verloren sind. Tiefliegende Augen, schwache Flüsterstimme, kleiner, ganz weicher, frequenter Puls, dazm die 44maligen Entleerungen von blutig-eitrig-schleimigen Mssen zeigten, 105 Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1134577 fatcat:7azu6nku45dvthxtx2fge6ehiq