Über den Einfluß des Quecksilbers, namentlich des eingeatmeten, auf die Lungen von Versuchstieren

G. Ricker, W. Hesse
1914 Virchows Archiv  
XVI. Uber den Einflutl des Qnecksilbers, namentlieh des eingeatmeten, auf die Lungen yon Versuchstieren. Mit einem Abschnitt fiber die ImngengeFKl~nerven. (Aus tier Pa~hologisch-~natomisehen Anstalt der Stadt ~agdeburg.) Yon G. Ricker und W. Hesse. (Hierzu 1 Textfigur.) Uber den Einflul~ des Quecksilbers, namenthch des gasfSrmigen, auf die Lungen existieren nut wenige kurze ~itteilungen~in der Literatur. v. ]3iirensprung (1850)1 berichtet "con zwei Yersuchen an Kaninchen, die er in einem Kasten
more » ... er in einem Kasten den Dhmpfen kochenden Quecksflbers ausgesetzt, butte, und zwar das eine am ersten Tag eine Stunde, am zweiten Tag eine Yiertelstunde, das andere eine halbe Stunde. Der Tod des ersten Tieres trat bald nach der zweiten Inhalation auf, das zweite Tier wurde am vierten Tag getStet. Bei dem ersten Tier war die Sehleimhaut der LuftrShre und,Bronehen stark injizier~; im Bronchialschleim gelang der Nachweis yon Quecksilberkiigelchen. In der Lunge fanden sich zatflreiche stecknadelkopf-bis linsengrol]e hyper~misehc Ste]len and eine grSl~ere Anzahl hepatisierter Bezirke. In de:r Mitre dieser veranderten Lungenteilc wurden mein-mals Quecksilberkiigelchen mittelst der Lupe und des ~iikroskops nachgewiesen. Mehrfache Wiederholungen besti~tigten diesen Vetsuch. Das zweite Tier wies bei der Sektion tuberkel~hnliche KnStchen mit hyperi~mischem Saum auf, die eiter~ihnliche Zcllen, abet keine Quecksilberkiigelchen enthielten. In einem dritten Versuch befand sich Bin Kaninchen bei Zimmertemperatur in einem Kasten, in dem eine mit Quecksilber geffiltte Waune aufgestellt war. Naeh 14 Tagen wurde das Tier l~-ank, nach weiteren 8 Tagen trat der Tod Bin. ]3ei der Sektion fanden sieh die Lungen gleichfalls mit tuberkeliihnlichen KnStehen und einzehlen ]insengrol]en Sugillationen, beide ohne Quecksilberkfigelchen, durchsetzt. Die Versuche beweisen nach der Ansicht des u "dal~ der eingeatmete Quecksilberdampf sich auf der Schleimhaut der Luftwege und Lungenalveolen zu Xfigelchen verdichtet, bier Entziindung und lobul~ire Hepatisation verursacht", und da$ das Quecksilber spiiter auf nicht nhher ermittelte Weise naeh vorheriger Oxydation versehwindet. R. O,zerbeck (1861) ~ hat Tiere, vo13viegend Hunde, dutch Quecksilbereim'eibung bis zum Eintritt der Quecksilberkachexie chroniseh vergiftet und in ilu'en Lungen bei der Sektion nut selten und ohne mil~'oskopisehe Kontrolle Veri~nderungen ies~gestellt, bestehend in Hyperihnie und (Jdem grSi~erer Teile; naeh Ansicht des u ist es zweifelhaf~, ob diese Behmde prim~re Quecksilberwirkung oder sekundiire Wirkung der Kaehexie seien. Overb e ek h~il~ es zwar nicht ~iir nachweisbar, abet auch nicht ffir unwahrscheinlich, da$ das Sekret der "Lungensehleimhaut" Quecksilber ausscheide~. I~ierau~ kSnn~en die beim ~ensehen ziemlich ~-iih als Zeichen der Hydrargyrose auftretenden Katarrhe hinweisen, die allerdings bei den Versuchstieren gefehlt h~tten. Yeffasser ist mehr geneigt, die LungenverSnderungen als "hypostatische und an~mische Infiltrationen", d. h. nicht als Quecksilberwirkung anzusehen. Kirchg~sser (1865) 3 hat in seine vorwiegend klinischen Untersuehungen zwei Versuche an Kaninehen eingesehaltet, die eine l~eihe yon Tagen yon tier rnit grauer Sa]be eingeriebenen Wand des tto]zki~figs ausgestriimte QueeksilberdiimpYe eingeatmet batten, ohne dal~ ein Ableeken der Salbe mSglich gewesen wiire. Wiihrend des Lebens der Tiere und bei der Sektion beobachtete Virchows hrehiv f. pathoI. Anat. Bd. 217, tilt. 2. 18
doi:10.1007/bf01989188 fatcat:z264rtllizgfxhqnlroamb43t4