Karl M. Brousek: Wien und seine Tschechen. Integration und Assimilation einer Minderheit im 20. Jahrhundert

Gerhart Pichler
2016
Schriftenreihe d. österr. Ost-u. Südosteuropa-Instituts 7). Mit der wissenschaftlichen Studie "Wien und seine Tschechen" des österreichischen Autors Karl Brousek gelang es dem österreichischen Verlag für Geschichte und Politik, die Schriftenreihe des österreichischen Ost-und Südosteuropa Instituts Wien durch ein zeitgeschichtliches Kleinod zu bereichern. Brousek konnte mit dem Nachweis der Integration und Assimilation einer Minderheit im 20. Jahrhundert im Bereich der österreichischen
more » ... ichischen Geschichte eine Forschungslücke schließen. Brousek bestätigt eine gesellschaftliche Wirklichkeit in Österreich. Der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky würdigte schon lange vor Veröffentlichung dieser Studie -am 28. März 1977 -mit einer historisch bedeutsamen Erklärung die historische Tatsache der Wiener Tschechen: "Die Wiener Tschechen haben in einer so einzigartigen Weise das Antlitz Wiens mitgeformt und so auch das Bild Österreichs mitgestaltet, daß ich kaum ein anderes Beispiel auf diesem alten Kontinent kenne, das einem ähnlichen Integrationsprozeß der Völker unterworfen wäre." Brouseks Forschungen umfassen den Zeitraum von 1914 bis heute. Seine Bestrebungen, einerseits den Wiener Tschechen ihre Vergangenheit historisch zu dokumentieren, anderseits interessierten Lesern seiner Studie einen gut verständlichen Einblick in die Entwicklung und das Leben dieser Volksgruppe zu geben, wurden durch wissenschaftliche Akribie und sachliche Dokumentation gefördert; letztere ist in einem alphabetisch geordneten Anhang in die vorliegende zeitgeschichtliche Studie integriert. Auch in der Habsburger Monarchie lebten Tschechen in Wien. Ihre Geschichte bis zum Ersten Weltkrieg prägten die ortsansässigen Tschechen, Adel wie Bürgertum. Sie waren in der Lage, an eine Tradition anzuknüpfen, die schon vor Jahrhunderten in Wien ihren Ursprung hatte. Gerade die Loyalität der Wiener tschechischen Minderheit nötigte den Österreichern der Ersten Republik bereits im Ersten Weltkrieg Respekt ab. Brousek zeigt die Entwicklung der Emigrations-und Integrationsprozesse, insbesondere die rechtliche Situation der Wiener Tschechen im heutigen Österreich, einem neutralen demokratischen Staat, der gegenüber den Wiener Tschechen seine Verpflichtung aus den Brünner Verträgen durch das Volksgruppengesetz zu erfüllen trachtet. Die gegenwärtige Situation des tschechischen
doi:10.18447/boz-1983-2393 fatcat:6j3otxzygvdgpbjamte4mi64nq