XVIII. Ueber einen Krystallmodellirapparat

V. Goldschmidt
1899 Zeitschrift für Kristallographie - Crystalline Materials  
Krystallmodelle spielen eine grosse Rolle beim Unterricht wie beim Studium der Krystallographie. Das kommt von der Seltenheit und Kleinheit gut ausgebildeter Krystalle und der Schwierigkeit der Darstellung der oft complicirten räumlichen Gebilde. Die Modelle begleiten jeden, der sich mit Krystallen beschäftigt, auf allen Stufen seiner wissenschaftlichen Entwickelung. Die Rolle, die sie dabei spielen, ist aber eine verschiedene. Wir können drei Stadien unterscheiden: das Stadium des
more » ... um des Elementarschülers, des Hochschülers und des Naturforschers. Erstes Stadium: Elementarunterricht an Modellen. Das Object des Unterrichts sind die Modelle. Höchstens werden zum Vergleich mit den erlernten Modellen einige einfache Krystalle herangezogen, die so gross und so gleichmässig ausgebildet sind, dass sie den Modellen gleichen. Ζ. B. ein Oktaeder von Magnetit, ein Pentagondodekaeder oder Würfel von Pyrit, ein Dodekaeder von Granat, ein Prisma mit Pyramide von Quarz u. a. Diese Krystalle erscheinen dem Elementarschüler als unvollkommene Wiederbildungen der Krystallformen, wie sie die Modelle in ihrer Reinheit zeigen. In der Natur hat man keinen vollkommenen Würfel und kein vollkommenes Oktaeder; die Seiten der natürlichen Würfel sind keine genauen Quadrate, die des Oktaeders keine gleichmässigen Dreiecke. Die Natur macht die Krystalle meist klein, combinirt die Formen, lässt Theile unausgebildet und gestattet, dass ein Krystall in der Ausbildung den anderen stört. Zweites Stadium: Hochschulstudium. Tritt dann der Schüler der Natur näher, misst, rechnet und zeichnet selbst, so findet er den umgekehrten Thatbestand. Die Modelle erscheinen ihm als mangelhafte Nachbildungen der natürlichen Krystalle, deren Schönheit und reiche Gesetzmässigkeit ihn um so mehr erfreut, je mehr er mit ihnen vertraut wird. In
doi:10.1524/zkri.1899.31.1.223 fatcat:6wbt5rwwnnbbxnpiblhzpnt2ka