2. Problemfelder der gegenwärtigen Museumspädagogik [chapter]

Aufmerksames Sehen  
Die Museen versuchen, spätestens seit Mitte der siebziger Jahre adäquat auf die Bewußtseins-und Wahrnehmungsveränderungen des Publikums zu reagieren. Dementsprechend entstanden in zunehmendem Maße Konzepte mit der Zielsetzung, die Besucher individualisiert in ihrer Eigenbeteiligung und Erlebnisfähigkeit anzusprechen. Die dahinterstehende Absicht ist es, zum einen die Museumsbesucher qua Dialog als feste "Freunde" der Einrichtung zu gewinnen und sie in das Museumserleben miteinzubeziehen, zum
more » ... nzubeziehen, zum anderen auf diesem Wege von der Länderebene bzw. von kommunalpolitischer Seite Gelder zur Aufrechterhaltung, Pflege und Ausbau des Betriebes zu erhalten. 1 Girgensohn bemerkte 1975, daß die Museen sich im Stadium einer "tiefgreifenden Veränderung" (12) befänden. Der allgemeine Reformprozeß habe auch diese Kultur-und Bildungseinrichtung erfaßt, und ihre Tendenz der "Öffnung nach Außen -"mit der Zielsetzung einer wirksamen Verbreiterung ihrer gesellschaftlich-sozialen Funktion" -lasse es als "töricht" erscheinen, sie "in ihrem Bemühen um Kommunikation 'bremsen' zu wollen, nachdem man von ihnen immer wieder -und sicher mit gutem Recht -ein Mehr an Kommunikation verlangt hat" (15). Das Publikum, das in diesen -nun nicht mehr heiligen -Hallen, anzutreffen ist, bewege sich "frei und ungeniert" und zeige in seinem Verhalten "Aufgeschlossenheit und Interesse" (13). Dieser Ungezwungenheit auf Besucherseite stünden auf Museumsseite vielfältige Präsentati-1 So nimmt es nicht wunder, wenn Hoffmann (1996) in einer Rede für das Archäologische Museum in Frankfurt sagte: "Die Entwicklung des Museumsufers hängt weitgehend von der Publikumsresonanz ab, von der wiederum auch Kommunalpolitiker sich beeinflussen lassen" (16). Vgl. zu dieser Thematik auch Bill (1998: 48).
doi:10.14361/9783839402269-003 fatcat:iyujltnhcne6ned7qavkvijlh4